7 Pässe: Jaguar F-Type

Auf dem ultimativen Testparcours der Schweizer Alpen musste sich das Jaguar-Sportcoupé F-Type mit 380 PS starkem Kompressor-V6 beweisen. Die Katze kann mächtig um die Ecken wetzen, aber sie braucht ein bisschen Anlauf.

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7P_Jaguar_F-Type_11Zum Aufwärmen geht es bei schönstem Sommerwetter auf die Autobahn und dann gleich einmal auf die Rüttelpiste des Klausenpasses. Einmal in den Dynamikmodus gewechselt, das Brüllen des zentralen Doppelauspuffs unüberhörbar für Passanten, schwingt sich der Hecktriebler mit viel Lust durch die Kopfsteinpflaster-Serpentinen.

Einzig gelegentlicher Alpverkehr behörnter Vierbeiner bremst den Vortrieb jäh. Die Lenkung des F-Type ist sehr präzis ausgelegt und bietet viel Rückmeldung von der Fahrbahn, die Sitze bieten dank pneumatischer Verstellbarkeit genau so viel Seitenhalt wie gewünscht.

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7P_Jaguar_F-Type_08Weiter geht’s über die Gotthardautobahn Richtung Sustenpass. Zügig meistert das Coupé die Aufgabe, bei der ersten Möglichkeit an den anderen Passfahrern vorbei zu rauschen.

Eine kleine Verzögerung beim Gasstoss ist wohl zu spüren, aber die ist in erster Linie dem Zusammenspiel zwischen aufgeladenem Dreiliter-V6 und Achtgang-Automatik geschuldet. Die Fahrwerksabstimmung, die sich auf den schlechten Klausen-Strassen noch gar ruppig äusserte, lässt den F-Type nun seine Stärken ausspielen: die schnellen Kurven. Und von denen gibt es am Susten zur Genüge.

Spannend sind die raschen Wechsel von gleissendem Sonnenlicht und Tunnelpassagen. Der F-Type, optional mit einer blitzschnell reagierenden Lichtautomatik ausgerüstet, bietet jederzeit genügend Sicht.

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7P_Jaguar_F-Type_12Für die neue Katze im Stall der Briten bleibt keine Verschnaufpause, der gut ausgebaute Grimsel steht an. Hier lässt sich das Fahrverhalten in Serpentinen dank grosszügiger Fahrbahnbreite bestens ausloten. Der F-Type legt keinerlei Untersteuern an den Tag und bleibt selbst bei Zwischengasstössen jederzeit kurvenneutral.

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s2_04_furkaNahtlos ist der Übergang zum Furkapass, den das Coupé quasi im Vorbeigehen erledigt. Sind die gut 1800 Kilo einmal in Schwung gebracht, gibt es kein Halten mehr.

Der Fahrer eines Mercedes E-Klasse T-Modells fühlt sich allerdings herausgefordert und zeigt mir das Beschleunigungsverhalten des Stuttgarter Kombis. Zugegeben: Es ist besser als das des V6 S, doch mit den Kurven hat es der Benz nicht, sein Pilot noch weniger. Ein Ärgernis, denn netto ist die Katze schneller als der Stern. Aber der will nicht Platz machen – schade eigentlich. Die stärkste F-Type-Version, das R-Coupé mit 550 PS, hätte gereicht, um den Familienvater auf die Plätze zu verweisen.

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Auf der Abfahrt nach der Passhöhe arbeitet sich der F-Type souverän durch Schlangen von Wohnanhängern und Motorrädern hindurch, bergab spielt das recht hohe Gewicht des Sportcoupés keine so dominante Rolle. Erholung bietet das Zwischenstück durchs Oberwallis nach Andermatt, wo der Aufstieg zum Oberalp beginnt.

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Hier bringt die Streckenführung die Möglichkeit zu Zwischensprints auf den teils langen Geraden sowie im munteren Auf und Ab der Links- und Rechtskurven jede Menge Studium des Lastwechselverhaltens. Der F-Type macht es hier besonders gut. Vollgas ist immer wieder kurz angesagt, das bringt dank sonorem Auspuffsound viel Musik für die Ohren, zugleich aber steigt in diesen Phasen der Spritverbrauch enorm – der Preis für Fahrspass bemisst sich in Gluckgluck-Währung. Von nichts kommt nichts.

s2_06_lukmanierIm gleichen Stil geht es weiter über den Lukmanierpass. Auch hier finden sich ultraschnelle Passagen, zudem aber auch Kurven, die unverhofft “zumachen” und das aktive Fahrwerk des F-Type auszureizen helfen.

Die Feststellung, dass der Jaguar äusserst spurtreu durch die Bögen flitzt, bestätigt sich. Die Reifen, mittlerweile ordentlich warm gefahren und mit entsprechend hohem Druck ausgestattet, scheinen nicht abzubauen. Hingegen der Rücken des Piloten: Das Kreuz schmerzt nun. Ein Aufblasen des unteren Rückenlehnenbereichs bringt zwar Linderung im Beckenraum, doch leidet darunter der Seitenhalt der Sitze.

Da müsste Jaguar vielleicht noch einmal über die Bücher, denn andere britische Hersteller wie zum Beispiel Lotus schaffen es, minimal gepolsterte Schalen zu bauen, in denen sich eine Achtstundenfahrt ohne Ermüdungserscheinungen im Rücken und Allerwertesten absolvieren lässt.

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Eine kurze Pause mit Dehnübungen, und schon geht es weiter im Text. Es geht wieder über die Autobahn und dann hinauf zum San Bernardino, dem letzten der sieben Pässe auf unserer heutigen Route. Doch erstmal hat die Katze Durst, es muss am Fuss des Passes nachgetankt werden.

s2_07_sanbernardinoDann wedelt der F-Type die engen Serpentinen hinauf zur Passhöhe auf 2066 Metern über Meereshöhe. Selbst engste Radien scheinen kein Problem für den Wagen darzustellen. Erstaunlich, denn mit 2,62 Metern ist der Radstand nicht aussergewöhnlich kurz. Die Strasse stellt dem Sperrdifferenzial ein gutes Zeugnis aus, von Schlupf keine Spur.

Gute Noten auch für die Bremsanlage. Der abschliessende Abstieg mit einer Vielzahl an Serpentinen stellt kein Problem für den F-Type dar. Die Bremsen packen gleichbleibend herzhaft zu, der Hecktriebler lässt sich zudem willig ums Eck werfen.

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7P_Jaguar_F-Type_13Und damit beginnt die Rückfahrt zum Ausgangspunkt im Zürcher Oberland. Fazit: Der F-Type sieht nicht nur ausnehmend gut aus, sondern geizt während der Fahrt nicht mit Reizen. Der Verbrauch liegt nach dem 7-Pässe-Test deutlich über der Werksangabe, doch das war zu erwarten, Stopp-Start hin- oder her. Bei einem Preis zwischen 100’000 und 150’000 Franken, je nach Ausstattung, fallen die paar Literli für den ambitionierten Eigner allerdings auch weniger ins Gewicht.

Pluspunkte gibt es für Fahrwerk und Bremsen, Minuspunkte fürs hohe Fahrzeuggewicht sowie die nicht ganz ausgereiften Sportsitze. Aber wer tut sich und seinem Kreuz schon eine 10-Stunden-Nonstop-Fahrt über sieben hochalpine Pässe an? Wohl die wenigsten F-Type-Piloten, und denen dürfte das Gestühl bestens dienen.

Jaguar F-Type Coupé 3.0 V6 S
Preis ab CHF 102’700
Preis Testwagen CHF 135’240
Zylinder / Hubraum V6 / 2995 cm3
Leistung 280 kW / 380 PS bei 6500/min
Drehmoment 460 Nm bei 3500 – 5000/min
Antrieb / Getriebe Hinterrad / A8
0 – 100 km/h 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit 275 km/h
Werksverbrauch 9,1 l/100 km / Bleifrei 98
Testverbrauch 7 Pässe 12,6 l/100 km
Länge / Breite / Höhe / Radstand 4,47 m / 1,92 m / 1,31 m / 2,62 m
Leergewicht 1853 kg

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