7 Pässe: Kia Cee’d GT

Koreanischer Fünftürer mit Turbo und Sportpaket: Wie macht sich der Kia Cee’d GT im heissen Serpentinentanz durchs voralpine Bergland? Auch er musste über sieben Pässe geh’n.

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01_hulfteggErste Erkenntnisse zum fünftürigen Kraftpaket von Kia bringt die Anfahrt zur ersten Hürde, dem Hulfteggpass: Der Motor zeigt sich durchzugskräftig und agil, die Sechsgang-Handschaltung arbeitet so präzis wie die Lenkung.

Doch legt der Cee’d GT in den ersten engen Passkurven im Kurveneingang ein deutlliches Untersteuern an den Tag, das sich beim Beschleunigen am Kurvenausgang in ein kleines Übersteuern verwandelt. Die ruppigen Bodenwellen schluckt der Kraft-Koreaner hingegen sehr ordentlich. Die bequemen Sportsitze sorgen für ausgezeichneten Seitenhalt, wenngleich die Oberschenkelauflage eine Spur zu lang ausgefallen ist.

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02_wasserfluhPass Nummer zwei ist die Wasserfluh mit einer Reihe enger Serpentinen. Das ESP habe ich nach längerer Suche in der Vielzahl an Knöpfen und Tasten nun ausgeschaltet. Das tut gut, denn das Kurvenverhalten ist nun wesentlich neutraler.

Jetzt fällt allerdings auf, dass die Lenkung zwar präzis, aber etwas zu leichtgängig arbeitet. Zudem vermittelt sie zu wenig Feedback von der Fahrbahn.

Auf der Bergabfahrt wird die Bremse stark gefordert, doch sie macht ihre Sache gut, ohne ein Fading an den Tag zu legen.

03_schwaegalpDie lange Anfahrt zum Schwägalp-Pass bringt viel Fahrfreude. Jetzt sind die Winterreifen auf der richtigen Betriebstemperatur, der Cee’d GT ist nun in seinem Element und bietet eine Klasse-Vorstellung.

Klar, andere Kompakte mit Turbo-Direkteinspritzer sind kräftiger, aber beim Kia vermisst man im Appenzellerland keinerlei Pferdestärken. Die Traktion passt, die Gangabstufung ist gut gewählt. Kleine Abstriche gibt es höchstens bei der Elastizität, es muss etwas mehr geschaltet werden als bei anderen kompakten Turbos.

 

04_rickenDie schnell gefahrenen Kurven über den Ricken zeigen, dass der Kia über eine ausgewogene Fahrwerkabstimmung verfügt. Zwar gibt es im Cee’d GT keine auf Knopfdruck verstellbare Dämpfung, aber das macht nichts.

Dank einer modernen Mehrlenkerachse im Heck wird der Kia gut mit Bodenwellen wie Lastwechseln fertig, zugleich bietet er trotz straffer Federung stets genügenden Komfort.

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05_satteleggErste kleine Traktionsprobleme gibt es auf dem Weg zur Sattelegg-Passhöhe im Kanton Schwyz. Beim Beschleunigen aus den engen Kurven pfeifen die Winterpneus gelegentlich ganz ordentlich.

Eine etwas weichere Vorderachse könnte hier helfen, doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn insgesamt kommt der Cee’d GT sehr flott über die Sattelegg.

Eine Pause auf der Passhöhe drängt sich da gar nicht auf, lieber gleich weiter zur Ibergeregg. Ich bin gespannt, wie er die schnellen Links-Rechts-Wechsel bewältigen wird.

06_ibergereggTatsächlich ist die Fahrt auf 1400 Meter hinauf von Fahrspass geprägt. Das Fahrwerk zeigt kaum Seitenneigung, ein Aufschaukeln ist ebenfalls nicht zu bemerken. Auf der Bergabfahrt darf der Cee’d GT nun etwas abkühlen, denn zwei Automobilisten vor mir haben keine Lust, Platz zu machen. Leben und leben lassen.

07_sattelDas Spurtvermögen ist dafür wieder auf dem Sattel, der letzten Hürde im 7-Pässe-Test, angesagt. Zwischensprints bewältigt der Fünftürer-Kia gut, Überholen ist kein Problem. Ein wenig dazu trägt offenbar die aggressiv gestaltete Front mit grossen Tagfahrlicht-Blöcken bei. Der Kia sorgt für Respekt.

Und das gilt generell für den Gesamteindruck des Cee’d GT. Er hat seine Sache gut gemacht und verfügt sowohl über viel Sportlichkeit als auch hohe Alltagstauglichkeit mit ausreichendem Komfort. Überzeugend ist zudem die ausgezeichnete Verarbeitungsqualität im Innern, wenngleich ein paar Knöpfchen, Regler und Tasten weniger es auch getan hätten. Das Lenkrad ist jedenfalls etwas Schalter-überfrachtet.

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Die Schattenseite beim flotten Turbo-Benziner ist jedoch der Verbrauch nach der sportlichen Fahrt: 10,6 Liter sind nach 247 Kilometern und 3 Stunden, 58 Minuten Fahrt glatte 43 Prozent mehr als vom Werk angegeben. Wie heisst es doch so schön: Turbo läuft gut und säuft gut. Einen kleinen Ausgleich schaffen dafür der faire Anschaffungspreis und auf lange Sicht das 7-Jahre-Paket mit Garantie, Gratisservice und Mobilität.

Kia Cee'd GT 1.6 GDi Turbo man.
Preis ab CHF 35’777
Preis Testwagen CHF 38’857
Zylinder / Hubraum R4 / 1591 cm3
Leistung 150 kW / 204 PS bei 6000/min
Drehmoment 265Nm bei 1750 – 4500/min
Antrieb / Getriebe Vorderrad / M6
0 – 100 km/h 7,7 s
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Werksverbrauch 7,4 l/100 km / Bleifrei 95
Testverbrauch 7 Pässe 10,6 l/100 km
Länge / Breite / Höhe / Radstand 4,31 m / 1,78 m / 1,43 m / 2,65 m
Leergewicht 1471 kg

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