7 Pässe: Lexus GS 300h F Sport

Hybridantrieb schützt nicht vor Passfahrten. Dass Fahrzeuge mit Doppelherz bei Berg- und Talfahrten durchaus Spass machen können, beweist der “kleine” Lexus GS-Hybrid auf der Fahrt über sieben hochalpine Pässe.

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Es ist Ende Mai, und bei der Bewältigung von sieben Schweizer Alpenpässen bietet sich die anspruchsvolle Route auf bis zu 2400 Meter Höhe an. Für das Testfahrzeug, einen Lexus GS Hybrid der schwächeren und sparsameren Variante, eine anspruchsvolle Aufgabe, sollte man meinen.

s2_06_lukmanierDie erste Hürde bildet nach souveräner Anfahrt über die Autobahn und das Vorderrheintal der Lukmanierpass. Fahrmodus-Wählschalter auf “Sport S+” ud los. Die zügigen Kurven vor der Passhöhe sind für den 1800 Kilo schweren Lexus GS 300h kein Problem. Der Wagen verhält sich völlig kurvenneutral, und beim Zwischenspurt auf den teils langen Geraden zeigt er sich dank elektrischer Unterstützung durchzugsstark. 7P_Lexus_GS_300h_2014-05_11Gut machen sich die bequemen Ledersessel, denn sie bieten deutlich mehr Seitenhalt als erwartet.

Eine weitere positive Überraschung bietet das stufenlose CVT-Getriebe. Anders als andere solcher Automatiksysteme lässt das Lexus-Getriebe den Hybrid-Japaner nicht zur hoch aufjaulenden Heulboje mutieren, sondern sorgt selbst bei Volllast für ein frühzeitiges Hoch-Übersetzen und schont das Gehör.

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Weiter geht die Fahrt nach der zügigen Autobahnfahrt in der Leventina und die grosszügigen Kehren des Mesocco über den San-Bernardino-Pass. In den engen Serpentinen beim Auf- wie beim Abstieg über den 2000-Meter-Pass kommt der Lexus zwar nicht an seine Traktionsgrenzen, doch wäre insbesondere in der Bergabpassage die mitlenkende Hinterachse des grösseren Lexus GS 450h eine nette zusätzliche Dynamikhilfe. Es geht auch ohne, und der um fast 10’000 Franken günstigere Einstiegspreis des 300h erleichtert den Verzicht. Die Bremsen jedoch zeigen im geschmeidigen Abwärts-Serpentinen-Wedeln keinerlei Schwäche.

s1_03_spluegenEs folgt der Rechtsabzweig hinauf zum Splügen. Jetzt wird es besonders eng, und der 1,84 Meter breite und 4,85 Meter lange GS muss sich schmal machen. in diesem kurvigen und besonders holprigen Revier kommen die Vorzüge des im “F Sport”-Trimm zwar etwas strafferen, doch immer noch äusserst komfortablen Fahrwerks zum Tragen. Es rumpelt kaum, und selbst im Modus “Sport S+” gibt der Lexus sich wie die Staats-Sänfte von Hirohito persönlich. 7P_Lexus_GS_300h_2014-05_06

Dann aber passiert es: In einer Bergabkehre auf italienischer Seite reicht der Lenkradwinkel nicht aus. Zurücksetzen ist angesagt – und zum guten Glück hetzt gerade keine Ducati in Gegenrichtung zur Passhöhe hoch. Am Wendekreis von tadellosen 10,6 Metern kann es nicht liegen, eher schon an der vorausschauenden Fahrweise des Piloten.

7P_Lexus_GS_300h_2014-05_05s1_04_malojaDie Fahrt hinüber zum Malojapass führt wieder zurück in die Schweiz, und nun geht es ans Überholen der Wohnmobile, die sich die steilen Kehren nach Maloja hinaufquälen.

Klar, mit dem 345 PS starken 450h wäre es ein Kinderspiel, doch auch die 223 PS, die der 300h im Zusammenspiel des 2,5-Liter-Benziners und des Elektromotors leistet, reichen – es braucht nur etwas mehr strategische Planung und mehr Arbeit an den Schaltpaddeln, die selbst beim CVT-Getriebe blitzschnell für kürzere Übersetzungen sorgen. Der nachfolgende Julierpass kommt dem GS 300h mit seinen grosszügigeren Kurven und der guten Übersicht deutlich entgegen – der Lexus darf sich erholen und Stoff geben.

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7P_Lexus_GS_300h_2014-05_02Zum Dessert stehen noch die beiden höchsten Hürden auf der 7-Pässe-Tour an, und der Lexus zeigt noch keinerlei Müdigkeitserscheinungen. Unterwegs zum Albula bestätigt der Wagen die positiven Eindrücke vom Splügen: Viel Traktion, viel Komfort, genügend Durchzug. Die Lenkung – auch das bestätigt sich hier wie auch bei zügiger Fahrt über den abschliessenden Flüela – wirkt zwar eine Spur synthetischer als bei anderen Marken, doch vermittelt sie genügend Feedback, ohne zu leichtgängig zu sein. Typisch Lexus eben. s1_06_albula 7P_Lexus_GS_300h_2014-05_09

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Zurück nach rund 600 Kilometern Pass- und Autobahnfahrt folgt der Verbrauchsbeweis an der Tanksäule. Dass der Mittelklasse-Lexus die 4,7 Liter Normverbrauch nicht erreichen würde, ist keine Überraschung. Doch auf der 7-Pässe-Fahrt schluckte er mehr als das Doppelte. Was erneut beweist, dass die Normverbrauchs-Messung Hybridautos entgegenkommt und weiter von der Realität entfernt ist als bei jedem anderen Fahrzeug. Dafür kann auch Lexus nix.

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Fazit: In der Ausstattungsvariante “F Sport” sieht der Lexus GS 300h nicht nur sportlicher aus als das Basismodell, es bietet auch einiges an Sportlichkeit zum Preis ab 84’900 Franken. Wer statt 223 PS deutlich mehr braucht, wählt den GS 450h, dessen Preise allerdings erst bei 95’000 Franken beginnen. Leistung kostet halt.

Lexus GS 300h F Sport
Preis ab CHF 84’900
Preis Testwagen CHF 86’000
Zylinder / Hubraum R4 / 2494 cm3
Leistung 133 kW / 181 PS bei 6000/min
Leistung E-Motor 105 kW / 143 PS
Systemleistung 164 kW / 223 PS
Drehmoment 221 Nm (Benziner) / 300 Nm (E-Motor)
Antrieb / Getriebe Hinterrad / E-CVT
0 – 100 km/h 9,2 s
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
Werksverbrauch 4,7 l/100 km / Bleifrei 95
Testverbrauch 7 Pässe 10,3 l/100 km
Länge / Breite / Höhe / Radstand 4,85 m / 1,84 m / 1,46 m / 2,85 m
Leergewicht 1830 kg

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