7 Pässe: Toyota GT 86

Das flotte Toyota-Coupé stellt sich dem kurvenreichen 7-Pässe-Test. Für den gut ausbalancierten Hecktriebler ein absolutes Heimspiel.

Man sieht den rassigen Zweitürer in der Schweiz viel zu selten – 2012 wurden nur 311 Exemplare verkauft, 2013 waren es 345 Stück, in diesem Jahr bisher 95. Nicht der erwartete Renner. Was die Kunden vermissen, sind mehr Leistung und ein Turbo.

So bleibt der 200 PS starke Toyota GT 86 ein Geheimtipp für Autofahrer, die gerne etwas mehr zu tun haben als bloss anschnallen und Gas geben. Die Testfahrt über sieben Pässe jedenfalls ist für das heckgetriebene Sportcoupé mit Saugmotor massgeschneidert.

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01_hulfteggGut, die Fahrt über den Hulfteggpass strapaziert insbesondere die Rückenpartie der Insassen, denn der GT 86 verfügt über eine sehr straffe Abstimmung. In engen Kurven schwänzelt er gern mit dem Heck, aber das ESP fängt den Japaner blitzschnell wieder ein.

Einmal per Tastendruck ins “VSC Sport” versetzt, steigert der Toyota den Fahrspass deutlich. Noch besser macht er sich bei komplett weggeschalteter Fahrdynamikregelung, doch dann sind flinke Bewegungen der präzisen und recht direkten Lenkung gefragt.

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Über die Wasserfluh fliegt der Toyota GT 86 förmlich. Hier zeigt sich zudem, wie wirkungsvoll die Bremsanlage eingreift. Sie tut es hervorragend und liefert stets genügend Stabilität bei teils recht “leichtem” Heck.

03_schwaegalpWeiter geht’s zur Schwägalp. Die engen Bergaufserpentinen quittiert die 17-Zoll-Bereifung mit deutlichem Pfeifen, doch die Traktion genügt. Wichtig für genügend Zug des Vierzylinder-Boxermotors sind Drehzahlen.

Ab etwa 4500/min ist der GT 86 in seinem Element, das bedeutet häufiges Schalten des manuellen Sechsgang-Getriebes. Das eifrige Hantieren am Ganghebel macht ordentlich Spass, denn das Getriebe arbeitet exakt und verfügt über kurze knackige Schaltwege. Optional gibt es eine Sechsgang-Automatik mit Lenkradpaddeln – ganz ok, manche finden den GT 86 so sogar besser. Ist aber nichts für mich.

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04_rickenÜber den Ricken wedelt der Toyota flott und beweist hohe Kurvenstabilität – ein Vorteil von Heckantrieb und straffem Fahrwerk mit sehr geringer Seitenneigung. Beim Überholen muss ich regelmässig zwei Gänge zurückschalten.

Nicht etwa weil die Gänge zu lang wären, sondern weil der Motor nach Drehzahl lechzt. Schliesslich fällt die maximale Leistung erst bei 7000/min an, das maximale Drehmoment entfaltet sich im engen Bereich zwischen 6400 und 6600/min.

Immerhin: Zur Belohnung gibt es feinen sonoren Sound aus der zweiflutigen Sportauspuffanlage.

05_satteleggAuf der Fahrt über die Sattelegg legt der Toyota GT 86 nochmal einen drauf. Jetzt zeigt sich, wie agil er selbst schnelle S-Kurven nehmen kann, ohne auszubrechen.

Hilfreich dabei ist der relativ kurze Radstand von 2,57 m. Für Sportfahrer ist das Toyota-Coupé jederzeit beherrschbar, und das Lächeln im Pilotengesicht wird noch breiter.

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06_ibergereggDie Bestätigung des positiven Eindrucks liefert die Passage des Ibergeregg-Passes. Klar, bei der flotten Überquerung von Viehgittern versetzt der flotte Japaner gelegentlich, und manchmal würde man sich eine noch direktere Lenkung wünschen.

Aber im Kurvengeschlängel hinunter nach Schwyz verstärkt sich der Eindruck, dass der Schwerpunkt des Autos exakt im Beckenbereich des Fahrers liegen muss. Stimmt zwar nicht ganz, aber es zählt das subjektive Empfinden. Basta. Und auf jeden Fall Banzai (soll heissen: der Toyota GT 86 lebe hoch)!

07_sattelAbgerundet wird das Bild einer Fahrspassmaschine auf dem Weg über den Sattel zurück an den Zürichsee und den Greifensee, natürlich stets jenseits der 5000 Touren.

Klar kann der GT 86 auch extra sparsam bei 1500/min dahingleiten, aber welcher Fahrer des Toyota GT 86 will das schon?

Na schön, die Quittung für die sportliche Fahrt gibt es beim Verbrauch auf der gut 250 Kilometer langen Testrunde. Dachte ich zumindest, aber falsch gedacht. Der Testwagen lag exakt auf dem Wert des Normverbrauchs – hier hilft es, dass der GT 86 über keinen durstigen Turbo verfügt. Und der Fahrspass, notabene in einem 200-PS-Auto für 40’000 Franken? Unbezahlbar. Banzai!

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Toyota GT 86 2.0 D-4S Sport
Preis ab CHF 37’200
Preis Testwagen CHF 41’980
Zylinder / Hubraum B4 / 1998 cm3
Leistung 147 kW / 200 PS bei 7000/min
Drehmoment 205 Nm bei 6400 – 6600/min
Antrieb / Getriebe Hinterrad / M6
0 – 100 km/h 7,6 s
Höchstgeschwindigkeit 226 km/h
Werksverbrauch 7,8 l/100 km / Bleifrei 98
Testverbrauch 7 Pässe 7,8 l/100 km
Länge / Breite / Höhe / Radstand 4,24 m / 1,78 m / 1,43 m / 2,57 m
Leergewicht 1230 kg

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