Clevere Verpackung

Mit dem C4 Cactus öffnet Citroën ein neues Kapitel. Nach der erfolgreichen Lancierung der DS-Premiumlinie sollen die C-Modelle den Markt in den unteren Segmenten sichern. Mit dem neuen Kompakten könnte es klappen.

Citroen_C4_Cactus_02Citroën hat den kleinen Mann nicht vergessen. Wäre auch nicht schlau, schliesslich sind die Alltagsautos C1, C3 und C4 die Volumenmodelle, mit denen sich Marktanteil und Umsatz generieren lässt. Fast – so könnte man glauben – sind die Fahrzeuge der C-Linie gegenüber der mit viel Pomp gefeierten DS-Reihe etwas verblasst.

Damit ist jetzt Schluss, wie Citroën-Chef Frédéric Banzet verspricht. Und so rief er just am Geburtstag von André Citroën, dem 5. Februar zur grossen Präsentationsgala des C4 Cactus nach Paris. 4000 Händler aus aller Welt kamen, um den Auftritt des ersten Modells der neu konzipierten C-Modellpalette zu feiern.

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Citroën will es bei den unterhalb der DS-Reihe positionierten Autos auf eine simple Formel bringen: Designorientiert gegen das Auto-Einerlei von heute, komfortabel für mehr Gelassenheit, benutzerorientierte Technik, und alles zum vernünftigen Preis. Banzet nennt es “Pragmatismus ohne Spassverlust”.

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So entspricht der kompakte Hochbeiner weitgehend dem letztes Jahr auf der IAA Frankfurt gezeigten Studie, samt den charakteristischen Airbumps. Die elastischen Ausbeulungen sollen Karosserieschäden verhindern oder zumindest dämpfen. Aber es sind eigentlich keine Luftkissen, sondern nur clever geformte Kunststoffpanele an den Seiten und den Stossfänger-Ecken. Gut verpackt, auch imagemässig.

Citroen_C4_Cactus_26Natürlich lassen sich die Airbumps wie weitere Teile des C4 Cactus farblich individuell abstimmen, es gibt die Plastikbeulen in schwarz, grau, beige und “deep chocolate” – schon wieder eine clevere Verpackung profaner Kunststoff-Einfärbung.

Geschenkt, weil einzigartig. Banzet verspricht jedoch, dass auch kommende C-Modelle ähnliche Gadgets auf Lager haben werden, zum Beispiel der für den Salon Genf erwartete neue Kleinwagen C1.

Im Innern des C4 Cactus ist es keinesfalls stachelig, wie der Name erwarten liesse. Im Gegenteil, alles ist auf Komfort und Lässigkeit getrimmt. Breite Sitze vorne mit einem Mittelkissen dazwischen sollen einen “Gute Stube”-Sofaeffekt erzielen. Kleine Anklänge an den Stil von Gepäckstücken, zum Beispiel bei den inneren Türgriffen und dem grossen Handschuhfach, sollen den Fünfplätzer zum einladenden Reisemobil machen.

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Um eben diesem Handschuhfach mehr Stauraum zu ermöglichen, ist der Beifahrer-Airbag ins Dach des Wagens verpackt – eine technische Neuerung – und wieder cleveres Packaging. Direkt hinter dem Airbag-Fach beginnt das grosse Glasdach, das besonders gut wärmegedämmt sein soll und erlaubt, die Abdeckjalousie gegen Hitze wegzulassen. Damit lassen sich 6 kg einsparen.

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Zudem sind die hinteren Scheiben Ausstellfenster, der Fensterhebermotor entfällt, und damit weitere 11 Kilo. Die Rückenlehne ist einteilig, nochmal 6 Kilogramm weg. Insgesamt wiegt der Cactus 200 Kilo weniger als die C4-Limousine. Er kommt damit auf ein Sportwagen-Leergewicht von 965 Kilo. Das ist gut für den Spritverbrauch. Citroën verspricht rund zehn Prozent weniger Betriebskosten als bei anderen Kompaktautos.

Citroen_C4_Cactus_01Doch sportliche Fahrleistungen sind für das neue Modell nicht geplant. Für den nur als Fronttriebler angebotenen C4 Cactus wird es zum Marktstart im Juni einen 82 PS starken Benzinmotor sowie einen 1.6 e-HDI mit 92 PS geben. Im Herbst folgt der neue Blue HDI, der die EU6-Norm erfüllt. Alles für die Entschleunigung.

Preisvorstellungen gibt es bereits, die werden jedoch erst bei der Weltpremiere auf dem Genfer Salon kommuniziert. Angepeilt wird der Bereich um die 20’000 Franken, also etwas weniger als bei der C4-Limousine.

Citroen_C4_Cactus_06Doch um den Verkauf anzukurbeln, hat Citroën eine weitere clevere Verpackung im Sinn, ganz so wie es Mobiltelefonanbieter vormachen: Es wird die Möglichkeit geben, das Fahrzeug mit einer Flat Rate zu bezahlen, also per Pauschalpreis inklusive Unterhalt, Steuern und Versicherung wie bei einem Mietwagen. Oder als zweite Option als “Pay as you drive”, mehr wie ein Prepaid-Handy. Schlau.

 

Ob der Citroën C4 Cactus mit seinem teilweise neuen Konzept den Grosserfolg anderer eigenständiger Modelle wie dem 2CV oder der DS wiederholen kann, wird sich noch weisen. Schliesslich gibt es ja noch Dacia Duster und Sandero Stepway oder den Fiat 500 L. Dem Leiter der neuen C-Linie, Pierre Monferini scheint es wurscht zu sein: “Wird er allen gefallen? Vielleicht nicht. So what!”

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