Dauertest über 10’000 km: Toyota GT 86 2.0 D-4S Sport

Während eines halben Jahres wurde das Hecktriebler-Coupé aus Japan über europäische Strassen gefegt. Ob Stadtverkehr, Alpenpässe oder gar die Rennstrecke, der GT 86 machte alles mit, ohne Schwächen zu offenbaren.

Toyota-GT_86_DT_06Das nennt man eine echte Langzeitprüfung auf Herz und Nieren: Während sechs Monaten stellte sich der dunkelgraue Toyota GT 86 Baujahr 2013 den unterschiedlichsten Terrains. Und bereits bei der Übernahme des Testwagens am Hauptsitz von Toyota Schweiz in Safenwil wurde sofort klar, dass er ein “Fahrer”-Auto ist. Nicht komfortabel wie ein VW Golf, auch nichts für Schaltfaule, die DSG lieben, und schon gar nichts für Menschen, die selbst in sportlichen Zweisitzern noch viel Platz für Passagiere und Gepäck benötigen.

Die Karosserie des in Zusammenarbeit mit Toyota-Tochter Subaru gebauten GT 86 darf als wohlproportioniert bezeichnet werden. Manchen ist die Front des Schwestermodells Subaru BRZ etwas zu brav gestaltet – dies trifft auf den vorn wesentlich spektakulärer ausgeformten GT 86 nicht zu. Der Toyota ist ein “Showman”, wie frühere Vergleichstests der beiden Coupés im Grenzbereich letztlich offenbarten. Dass dies nicht nur auf die Fahrzeugfront zutrifft, zeigte sich bei Passfahrten, wo der Toyota gerne mal das Heck frech ausbrechen lässt. Bei eingeschaltetem ESP kein Problem, denn es fängt den flotten Zweisitzer problemlos wieder ein. Anders sieht es im Sportmodus oder bei komplett weggeschalteten Systemen aus. Dann ist Respekt vor der Fahrdynamik gefragt sowie eine gute Reaktionsfähigkeit, um mit flinkem Gegenlenken Dreher zu vermeiden.

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Das Interieur des GT 86 ist stimmig gestaltet. Alles ist – wenngleich etwas spartanisch – aufs eigentliche Fahren fokussiert. Schalter und Tasten sind allesamt in Reichweite. Lediglich der Lautstärkeregler des Multimediasystems ist ein wenig klein und schwergängig ausgefallen – das nervt ein bisschen. Eine Steuerung vom Lenkrad aus fehlt, wäre auch aufgrund der guten Erreichbarkeit der Mittelkonsole überflüssig.

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Toyota-GT_86_DT_10Ein kleines Ärgernis stellt die Lichtautomatik dar. Im Automatikmodus schaltet sich das Abblendlicht in Tunnels und Tiefgaragen erst nach etwa sechs Sekunden ein. Das lässt sich in der Werkstatt empfindlicher einstellen, nicht aber im Setup des Multimediasystems. Schade. Ein grosses Plus ist hingegen die Bedienung des manuellen Sechsgang-Getriebes. Die Gänge lassen sich knackig und mit kurzen Schaltwegen einlegen, und das auch bei ambitionierter Fahrt. Das fühlt sich richtig gut an. Bravo.

Und Schalten ist beim Zweiliter-Sauger mit 200 PS auch öfter nötig als bei anderen Fahrzeugen. Wer dem Boxer aus Subaru-Produktion mit Toyota-Direkteinspritzung das optimale Drehmoment entlocken will, bewegt den Motor permanent zwischen 4800 und 7000 Touren. Dank des sonoren Auspuffsounds ein Genuss für Sportfahrer, aber eine Herausforderung für Beifahrer und Aussenstehende. Auf der Siebenpässe-Fahrt im späten Frühling jedenfalls wurde der GT 86 im dritten und vierten Gang über den San Bernardino und den Lukmanier geprügelt. Es hat ihn nicht einmal einen Deziliter Öl gekostet – und erstaunlicherweise blieb selbst der Spritverbrauch im Rahmen der Werksangaben von 7,8 l/100 km.

Toyota-GT_86_DT_09Und so ging es im Toyota GT 86 nur gelegentlich zur Tankstelle. Da offenbarte sich das zweite kleine Ärgernis: Auffüllen nach dem automatischen Klick quittiert der Japaner mit einer kleinen Benzindusche – da hat Toyota zu wenig Sicherheitsmarge in den Stutzen einberechnet. Also nur bis zum Einrasten füllen, nicht noch mehr – dann bleiben Schuhe und Kleidung fleckenfrei.

Was in dem japanischen Coupé steckt, durfte es auf dem Hockenheimring beweisen. Auf der Formel-1-Strecke verbrachte er während zwei Lizenzkurstagen viel Zeit auf dem körnigen Asphalt. Trotz Winterbereifung machte er seine Sache hervorragend. Klar, mit Fahrzeugen vom Schlag eines Porsche Cayman S oder gar eines Nissan GT-R konnte der GT 86 nicht mithalten, und das nicht nur der unterlegenen Bereifung wegen. Doch in Bögen wie der Sachskurve schaffte der Toyota annähernd die gleichen Geschwindigkeiten, die sich dank gut ausgeformter Sportsitze auch vom Piloten bestens überstehen liessen.

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Nach rund einem halben Jahr und etwa 10’000 Testkilometern heisst es Abschied nehmen vom anthrazitfarbenen Sportcoupé. Ungern, denn er hat es gut gemacht und war für den fahraktiven Tester ein agiler Begleiter.

Ein Trost bleibt zum Abschied: Als Rennwagen bleibt der Toyota GT 86 mir erhalten, im weiteren Einsatz unter der Ägide des Toyota Swiss Racing Teams bei der VLN Langstreckenmeisterschaft auf der Nürburgring-Nordschleife.

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Toyota GT 86 2.0 D-4S Sport
Preis ab CHF 37’200
Preis Testwagen CHF 41’980
Zylinder / Hubraum B4 / 1998 cm3
Leistung 147 kW / 200 PS bei 7000/min
Drehmoment 205 Nm bei 6400 – 6600/min
Antrieb / Getriebe Hinterrad / M6
0 – 100 km/h 7,6 s
Höchstgeschwindigkeit 226 km/h
Werksverbrauch 7,8 l/100 km / Bleifrei 98
Testverbrauch 7,8 l/100 km
Länge / Breite / Höhe / Radstand 4,24 m / 1,78 m / 1,43 m / 2,57 m
Leergewicht 1230 kg

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