Die Rekorde fallen

Sechs Stunden des Mazda-Weltrekordversuches sind um, und bereits sind einige der anvisierten 20 Weltrekorde gefallen. Meine erste Fahrt war das reine Vergnügen.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)Es ist kurz vor 17 Uhr, der Mazda 6 mit der Nummer 3 kommt gleich an die Box zum Nachtanken und Fahrerwechsel. Ich stehe behelmt bereit – unser Startfahrer Dirk Liphardt hat den Wagen mit schnellen Rundenzeiten im kleinen internen Wettstreit ganz nach vorn gebracht. Die ersten Ziele, Weltrekorde auf Kurzdistanzen mit stehendem Start, sind bereits geknackt, wie die Offiziellen vom DMSB bereits bekanntgegeben haben. Und Dirk hat schon einige Rekorde mit fliegendem Start “im Sack”: 100 Meter im Schnitt von 224,835 km/h, 100 Kilometer im Schnitt von 225,963 km/h – alles inoffiziell und unter Vorbehalt.

Jetzt ich. Das Hinausbeschleunigen auf die Strecke erfolgt zügig, kurz vor der ersten Steilkurve bin ich im sechsten Gang, aber noch in der mittleren Spur. Doch bereits gegen Kurvenausgang erreiche ich Spur 1, und dann geht es in die schöne norddeutsche Abendstimmung. Der Rhythmus ist rasch gefunden, das Auto lässt sich am Steilkurveneingang leicht in die Spur drücken, am Ausgang ist der Drang Richtung Leitplanke mit sanfter Lenkbewegung eliminiert. Die Rundenzeiten bewegen sich um die 3 Minuten 13 Sekunden.

Auf den langen Geraden bleibt viel Zeit zum Ausspannen. Ich geniesse den Sonnenuntergang, auch wenn die tiefstehende Sonne mich einige Runden lang blendet. Schön zu beobachten, wie die Zugvögel sich bereits formieren, um nach Süden Richtung Winterlager zu ziehen. Am Streckenrand sind ein paar Zuschauer und Film-/Fototeams. Ein Fotograf findet es witzig, mir in jeder Runde ins Gesicht zu blitzen. Nach drei Runden gibt er auf.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)Vor mir entdecke ich in weiter Ferne einen weiteren Mazda auf Rekordjagd – insgesamt sind wir ja zu dritt auf der Strecke. Der Jagdinstinkt in mir erwacht, und ich beobachte in jeder Kurve, wann genau der Wagen vor mir aus dem Blickfeld verschwindet. Jetzt ist es wieder soweit, und genau bei Kilometer 7,0 ist der Vordermann weg. In der nächsten Runde sind es schon 50 bis 100 Meter weniger Abstand, und nach einigen Runden habe ich den anderen Mazda mit weniger als zehn Sekunden Abstand vor mir.

Jetzt wäre es nach Absprache eigentlich einfach. Da Windschattenfahren beim Rekordversuch strengstens untersagt ist, sollte der vor mir nach rechts in die mittlere Spur wechseln, damit ich an ihm vorbeiziehen kann. Doch das passiert nicht. Stattdessen erhalte ich per Funk die Anweisung zu verlangsamen und den Abstand etwas zu vergrössern. Ärgerlich.

Dann blinkt der vor mir plötzlich nach links – wieso eigentlich, dort lässt sich nur in die Leitplanke abbiegen. Dann blinkt er doch noch rechts und geht an die Box, allerdings etwas früh, wie mir scheint. Etwa fünf Runden später bin auch ich dran, mein Stint ist vorbei. Und ich erfahre mehr zur Situation, die mein Verlangsamen verlangte: Der Pilot vor mir war unser einziger VIP, Joey Kelly. Und sein Funk hatte versagt, sodass er die Anweisungen der Boxencrew nicht hören konnte. Auf die geschwenkte blaue Flagge reagierte er dann mit einem überstürzten Boxenstopp. Der nächste Fahrer war noch gar nicht zum Einsteigen bereit, das Ganze kostet wertvolle Zeit.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)

Doch ist bei allen drei Fahrzeugen der Schnitt bereits deutlich über 220 km/h, womit der Weltrekord für die nächsten Distanzen in Griffnähe ist. Ich selbst hole den Titel für die 500-km-Distanz, wie ich nach dem Aussteigen erfahre. So darf es weitergehen. Doch mein nächster Einsatz ist erst wieder mitten in der Nacht um etwa 03:00 Uhr, für den ich bereits um 01:30 Uhr bereit sein muss. Bis dahin nehme ich eine Mütze Schlaf im Motorhome.

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