Die Sache mit dem Mannschaftssport

Am vergangenen Wochenende habe ich nur wenige Runden auf der Nürburgring-Nordschleife absolviert. Es hat gut getan, wieder im Rennwagen zu sitzen. Leider gab es ein frühes Aus, und da macht man sich so seine Gedanken zu Rennunfällen und was sie mit sich bringen.

Was passiert ist, lässt sich schnell erklären. Zu viert sind wir für das 6-Stunden-Rennen beim siebenten Lauf zur VLN-Langstreckenmeisterschaft angemeldet. Am Freitag sind erst Christoph Lötscher und ich vor Ort und teilen uns die Zeit im freien Training, dies bei trockener Piste. Prima zum Wieder Eingewöhnen nach der Sommerpause.

Am Samstag müssen sich alle vier Fahrer mit einer gezeiteten Runde qualifizieren, doch dafür bleiben bloss 90 Minuten Zeit. Das heisst für alle nur eine schnelle Runde, der Startplatz ist sekundär. Umso mehr, als wir über Nacht von der angestammten seriennahen Klasse V3 in die deutlich stärkere SP3 umgestuft worden sind, weil die technischen Kommissäre ein Problem mit einer Motorplombe hatten.

André Da Silva steigt als Erster ins Qualifying, hat aber gleich Pech, weil er auf Trockenreifen in einen Regenschauer gerät und gleich wieder zurückkehrt, um Regenreifen zu fassen. Einer dieser Gummis ist aber falsch montiert und muss nochmal zurück zu Pirelli. Das dauert, und uns läuft die Zeit davon. Dann endlich ist der Pneu fertig, dann aber ist die Piste auch schon wieder trocken. Es geht gleich nochmal auf Slicks raus, und André schafft eine ordentliche Runde.

Dann ist Flurin Zimmermann dran, und der hat richtig Pech. Bei trockener Piste fährt er sich auf dem Grand-Prix-Kurs warm und will nun loslegen. Doch schon im Bereich Hatzenbach erwischt er einen Regenschauer und ist kurzzeitig nur noch Passagier. Der Frontalaufprall ist so heftig, dass an eine rasche Reparatur vor dem Rennstart nicht zu denken ist. Aus für uns.

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Klar, für alle vier Fahrer ist es ärgerlich, wenn man unverrichteter Dinge wieder abziehen muss. Aber am schlimmsten ist es für den einen, der auf seiner ersten Qualifikationsrunde in der VLN überhaupt – die Strecke und den Rennbetrieb kennt er aus der RCN bestens – abfliegt. Und daher diese Worte an Flurin: Tourenwagenrennen im Langstreckensport sind ein Mannschaftssport. Wir alle wissen ums Risiko und die Verantwortung, die jeder Einzelne für die anderen mitträgt. Glaube mir, wir drei anderen waren alle schon mindestens einmal in dieser Situation. Man fängt an, an sich selbst zu zweifeln, an der eigenen Urteilsfähigkeit. Warum bin ich dieses Risiko eingegangen? Warum habe ich nicht an die anderen gedacht, die nach mir ins Auto steigen wollen? Flurin, das ist ganz normal. Der Gedankengang genauso wie die Tatsache, dass man manche Dinge schlicht nicht beeinflussen kann. Wie diesen Trainingsunfall.

Dann kommt das mit der Scham, das stete sich Entschuldigen bei den Kollegen. Aber auch das, Flurin Zimmermann, ist zwar eine normale Reaktion. Aber wisse, dass wir alle, die wir diesen Mannschaftssport betreiben, ihn als Teamleistung ansehen. Da kann es jeden treffen. Diesmal warst Du es, und zum guten Glück hast Du Dich dabei nicht verletzt. Das ist das Wichtigste überhaupt.

Jetzt gilt es für Dich eines zu tun. Steig so schnell wie möglich wieder ins Rennauto und arbeite die Strecke noch ein paarmal ab. Du wirst sehen, es war ein einmaliger Ausrutscher, erst noch wetterbedingt. Und dann geht’s wieder weiter. Keep racing.

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