Dossier Michel Vaillant: Alain Prost

Der Band aus der Reihe “Dossiers Michel Vaillant” mit Fokus auf den vierfachen F1-Champion Alain Prost überzeugt mehr durch seine rennsportgeschichtliche Aufarbeitung als durch die nur teilweise gelungenen Comic-Episoden.

D12_CoNoch zu Lebzeiten von Jean Graton, dem Schöpfer der berühmtesten Rennfahrer-Comicserie überhaupt, “Michel Vaillant”, entstand die Reihe der “Dossiers Michel Vaillant”, in der Stars der wirklichen Rennsportszene portraitiert werden.

Als Band 12 der Reihe kam 2010 der Band über Alain Prost heraus, der sich detailliert mit der Karriere des “Professors” und viermaligen Formel-1-Weltmeisters befasst. Federführend sind Sohn Philippe Graton sowie Lionel Froissart, ein Motorsportjournalist und Formel-1-Spezialist seit mehr als vierzig Jahren.

Die Prost-Biografie überzeugt denn vor allem durch die geschichtlich interessante Aufarbeitung des Schicksals von Alain Prost, der zunächst als Liebling der französischen Vorzeigemarke Renault und des damaligen FIA-Chefs Balestre rasch zum Formel-1-Piloten aufstieg.

Interessant ist dabei der Blickwinkel, den Froissart wählt. Er stellt viele Dinge so dar, als sei Prost insbesondere bei seiner zweiten Karriere als Teamchef mit eigenem Rennstall nichts als ein Spielball der Konzerne und des Duos Ecclestone/Briatore gewesen. Vertretbar.

Prost_001Etwas zu einseitig erscheint jedoch Froissarts Darstellung von Prost als wahrem Triumphator über Ayrton Senna im ewigen Duell der beiden in den Jahren 1988 bis 1993. Auch hier wird Prost die Opferrolle zugeschrieben. Keine Rede davon, dass er 1984 in Monte Carlo im starken Regen dank frühzeitigem Rennabbruch zum von Balestre sanktionierten Sieg kam, obwohl Senna mit Riesenschritten aufholte und den Franzosen noch hätte schnappen können.

Die Szene wird im Dossier Prost von Graton/Froissart nur gestreift, ohne auf den mehr politisch denn witterungsbedingten Rennabbruch einzugehen. In solchen Details wirkt die Darstellung etwas simpel und krude – und die zeichnerische Leistung des Studios Graton muss leider ähnlich beurteilt werden.

Insgesamt drei Comic-Strecken sind in die schön bebilderte Biografie eingearbeitet, hinzu kommt eine ebenfalls gezeichnete Galerie der wichtigsten Fahrzeuge in Alain Prosts Rennfahrerleben bis 2010. Der erste fünfseitige Comicstrip beleuchtet Prosts Einstieg in die Formel 1 1979 mit Testfahrten im McLaren von John Watson. Gelungen sind die Darstellungen der Rennfahrzeuge im Stand wie in Action. Doch die Figuren wirken hölzern, Prost selbst ist trotz seines markanten Gesichts in den Zeichnungen kaum zu erkennen. Die Zeichner sind Luca Erbetta, Alessandro Blengino und Nedzad Kameinca, der später für Glénat bei Chapman wieder zum Einsatz kam und die früheren Vaillant-Könner Papazoglakis und Paquet unterstützte.

dossier-prost3Auf sieben Seiten kommt das Duell zwischen Senna und Prost noch einmal zeichnerisch aufs Tapet. Auch hier sind es die Rennszenen und die Fahrzeuge, die packend dargestellt sind. Die Zeichnungen der beiden Protagonisten und beispielsweise des ausrastenden Ron Dennis hingegen sind eher peinlich. Schade.

Der dritte Comic-Teil mit fünf Seiten zu Alain Prosts zeit bei Ferrari und dem grandiosen Sieg in Mexiko bestätigt den Eindruck: Die Fahrzeuge sind sehr gelungen, die Menschen weniger.

So ist es denn der Galerie-Teil mit den Fahrzeugen, der am meisten überzeugt. Hier ist es nur schade, dass die meisten Rennboliden jeweils über zwei Seiten gezeigt werden, sodass nie ein gesamter Blick auf die Wagen – ohne lästige Bindungs-Teilung – möglich ist. Versöhnlich immerhin, dass auch drei der Fahrzeuge, die Alain Prost erfolgreich in der Trophée Andros fuhr, detailliert gezeichnet und von Tanja Cinna gelungen koloriert sind.

 

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