Erstes Kapitel einer neuen Geschichte

Der erste Swiss Energy Grand Prix ist Geschichte. Im Umfeld des grossen Racing Festivals Lignières Historique herrschte auf der Rennstrecke im Berner Jura für 100 Runden die Stille der Elektroantriebs. Und das Ergebnis der nach Handicap-Formel ausgetragenen Strategie-Prüfung zeigte: Die Letzten durfen die Ersten sein.

EPG14_FINAL_03Für einmal wurde nicht nur Automobilgeschichte zelebriert, sondern gar ein neues Kapitel dazu geschrieben. Im Rahmen von Lignières Historique, dem Racing Festival für hochkarätige Rennwagen und Motorräder, für Rennfahrer und Legenden auf der einzigen Schweizer Rundstrecke in Lignières, summten am Freitagabend die Elektromotoren. Der erste Swiss Energy Grand Prix, die Strategie-Prüfung über 100 Runden auf dem 1,25 Kilometer langen Kurs, ist Geschichte. Erfolgsgeschichte.

Guter Marktquerschnitt
Viele Autohersteller verfügen mittlerweile über Serienfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb, und die meisten davon zeigten sich bei wechselhaftem Wetter in Lignières. Insgesamt zwölf Teams mit je drei Fahrern stellten sich der Aufgabe, die von den Schweizer Autoimporteuren sowie privat eingesetzten Fahrzeuge ins Ziel zu bringen. Neben Nissan Leaf, VW e-Golf und Renault Zoe stellten smart mit drei Brabus ed sowie Mitsubishi mit vier i-MiEV die stärksten Fraktionen. Hinzu kamen ein Roadster und ein Model S der US-Marke Tesla.

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Prominenz am E-Pedal
Die Dreier-Mannschaften waren teils hochkarätig besetzt. Mit André Hefti, dem Direktor des Autosalons Genf, Max Welti, dem früheren Motorsportchef von Sauber, Porsche und Lamborghini, Fredy Amweg, der Schweizer Pilotenlegende, sowie Philippe Souaille, dem Sohn des Pistenbauers von Lignières, war viel Rennsportgeschichte am Steuer der modernen Elektroautos zu finden. Doch auch aktuelle Rennpiloten wie Fredy Barth, Yann Zimmer, Frédéric Yerly und Andrina Gugger massen sich in der Strategieprüfung, genauso wie eine Reihe von Journalisten aus der Automobilbranche. Nissan Schweiz meldete gar ein reines Damenteam aus der schreibenden Zunft. Komplettiert wurde das Feld von Meistern ihres Fachs: Rafael De Mestre hält mit seinem Tesla Model S den Weltrekord bei der Weltumfahrung in einem Elektrofahrzeug, VW-Pilot Erich Reichmuth wurde 2007 Service-Weltmeister für die AMAG, und Felix Egolf im Mitsubishi i-MiEV hält als „Hypermiler“ sämtliche Rekorde beim sparsamen Spritverbrauch.

EPG14_FINAL_04Eine Frage des Handicaps
Das freie Training, „Cool down“ genannt, diente zur Orientierung über Batterieverbrauch und den idealen Fahrstil. Während einer Stunde konnten sich die Konkurrenten des Swiss Energy Grand Prix mit der Strecke und den jeweiligen Eigenheiten der batteriebetriebenen Serienfahrzeugen vertraut machen. Zugleich warf die Jury einen eingehenden Blick auf die Performance der Fahrzeuge und Piloten, um bei der Einstufung der Teams gemäss Handicap-Formel einen möglichst gerechten Ausgleich zwischen den Fahrzeugen unterschiedlichster Fahrleistungen und Reichweiten zu schaffen.

Eine Frage der Strategie
Den Nachmittag, als beim Lignières Historique bereits die Motoren der Rennfahrzeuge früherer Jahre auheulten, nutzten die Teams zur Festlegung der Strategie. Manche entschieden sich zur besonders gemässigten Fahrweise mit der Absicht, die 100 Runden ohne nachzuladen zu überstehen. Andere gaben sich ein etwas flotteres Tempo vor und nahmen einen Ladestopp an einer der beiden Schnellladestationen in Kauf. Einige wenige Konkurrenten planten ihre Runden im Renntempo und ein längeres Aufladen. Doch mehr als 15 Minuten an einer der beiden Evitec-Stationen waren nicht erlaubt.

Jede Menge Spektakel
Ein ungewöhnliches Erlebnis brachte der Start des ersten Swiss Energy Grand Prix am Freitagabend, denn als der Start freigegeben wurde, herrschte die Stille der batteriebetriebenen Fahrzeuge. Als Erste starteten die drei smart Brabus ed, gefolgt vom Feld der vier Mitsubishi i-MiEV. Minute um Minute kamen weitere Konkurrenten hinzu. Lange Gesichter gab es insbesondere bei den beiden Tesla-Teams, die ein Handicap von 12 und 20 Minuten erhielten, bevor sie ins Geschehen eingreifen durften, um das 100-Runden-Ziel herauszufahren. Doch die beiden privaten Mannschaften liessen sich nicht entmutigen und machten sich munter daran, das vor ihnen gestartete Feld von hinten aufzurollen.

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Bei Halbzeit nach 50 Runden lagen die drei smart der Teams Yerly, Automobil Revue und auto-illustrierte an der Spitze, gefolgt von Renault Zoe, VW Golf und der Mitsubishi i-MiEV, die zugleich untereinander die BKW-Trophy austrugen. Viele Überholmanöver und jede Menge schwungvoller Kurvenfahrten sorgten für Spektakel auf der Piste. Zugleich wurde an jedes Detail zur Schonung der Batterie gedacht. „Ich habe in der engen Rechtskurve immer mit der Handbremse verzögert, damit ich im smart Vorteile bei der Energierückgewinnung ausnutzen konnte“, erklärte der erfahrene Rennpilot Fredy Amweg nach dem obligatorischen Fahrerwechsel.

„Wir waren in der Startphase alle etwas zu schnell unterwegs“, vermutete Erich Reichmuth, seines Zeichens Serviceweltmeister der AMAG und der Startfahrer des VW e-Golf Teams. „Das ist eben Rennsport, da gehen die Pferde zunächst mit einem durch, aber dann haben sich alle etwas gemässigt. Wir wollen schliesslich wie der Nissan Leaf ohne nachzuladen ins Ziel kommen.“

Dramatik in Runde 99
Das letzte Drittel der Prüfung brachte die ersten Stopps an den Schnellladestationen. Insgesamt sieben Teams nützten die Möglichkeit zu einem fünf- bis zehnminütigen Nachladen. In der Zwischenzeit hatte sich der Tesla Roadster des Teams Mitrovich/Wittmann/Eymann bis an die Spitze des Feldes vorgekämpft, gefolgt von der smart-Krabbelgruppe. „Wir sind seit Runde 40 nur noch mit reduzierter Leistung unterwegs“, erklärte Zoran Mitrovic, der Startfahrer des Tesla Roadster. „Wenn die Batterien warm werden, regelt das System die Leistung ab. Ob wir so die 100 Runden schaffen, ist allerdings nicht sicher.“ Der Tesla Model S befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf Rang drei, das Handicap von 20 Minuten hatten die ersten beiden Piloten Udo Werges und Mark Dzulko fast aufgeholt.

Die Schlussphase brachte besondere Dramatik. Der weisse Tesla Roadster sah bereits wie der sichere Sieger aus, doch in Runde 99 rollte Schlussfahrer Michael Eymann in langsamer Fahrt in die Boxengasse. „Keine Batterieleistung mehr“, klagte er. Ein kurzer Reset brachte noch Saft für eine letzte Runde, doch mittlerweile war der Tesla S an die Spitze vorgestossen und überquerte nach 100 Runden die Ziellinie als erstes Elektrofahrzeug. Der Roadster kam als Zweiter in die Wertung, gefolgt vom smart Brabus ed des Teams auto-illustrierte mit Jörg Petersen, Stefan Liechti und Andrina Gugger.

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„Das war eine der grossartigsten Erfahrungen in meiner Zeit als Tesla-Fahrer“, strahlte der glückliche Besitzer und Schlusspilot des Tesla Model S, Rafael De Mestre. Unterstützt wurden die siegreichen Teams durch eine Reihe von aus dem In- und Ausland angereisten Clubmitgliedern, die vor dem Swiss Energy Grand Prix in ihren Tesla-Fahrzeugen ein Demonstrationsrennen austrugen. „Diese Veranstaltung hat wahrlich Zukunft“, sagte Artur Demirci, Leiter Corporate Communications Mercedes-Benz.

Das Team De Mestre/Werges/Dzulko gewann damit den mit 10‘000 Franken dotierten Grand Prix, doch Preisträger waren alle Teilnehmer, gab es doch für alle Teams, die das Ziel erreichten, eine „Arrival“-Prämie von 500.- Franken. In der BKW-Trophy der Mitsubishi i-MiEV gewann das Team Mitsubishi Schweiz mit Fredy Barth, Felix Egolf und Stefan Lüscher den Preis von 1000.- Franken.

1. Swiss Energy Grand Prix – Rennen – 15.08.2014

        
RangStartnr.Team/FahrzeugFahrerRunden
1. 11 Chargelocator.com/Tesla Model S Rafael de Mestre/Mark Dzulko/Udo Werges100
2. 12 Team Mitrovic/Tesla Roadster Zoran Mitrovic/Sacha Wittmann/Michael Eymann100
3. 06 Team auto-illustrierte/smart Brabus ed Jörg Petersen/Stefan Liechti/Andrina Gugger90
4. 05 Team Yerly/smart Brabus ed Frédéric Yerly/Fredy Amweg/Philippe Souaille90
5. 07 Team Automobil Revue/smart Brabus ed Peter Wyss/Fabian Danz/André Hefti90
6. 09 Renault Suisse/Renault ZOE Denis Robert/Yann Zimmer/Jean-Claude Métille89
7. 10 AMAG/VW e-Golf Max F. Welti/Erich Reichmuth/Raoul Schwinnen88
8. 01 Mitsubishi Schweiz/Mitsubishi i-MiEV Fredy Barth/Felix Egolf/Stefan Lüscher88
9. 08 Nissan Schweiz/Nissan Leaf Nina Vetterli/Nadia Rambaldi/Claudia Nussbaumer83
10. 03 Garage Schmid Reinach/Mitsubishi i-MiEV Bettina Schmid/Roger Vögeli/Martin Kempf83
11. 02 Garage Ruppen Visp/Mitsubishi i-MiEV Tony Bretfeld/Peter Döring/Tobias Furrer81
12. 04 Driving Center Safenwil/Mitsubishi i-MiEV Thomas Schwaller/Stefan Roth/Jürg Roffler81

Rangliste BKW Trophy

   
RangStartnr.Team/FahrzeugFahrerRunden
1. 01 Mitsubishi Schweiz/Mitsubishi i-MiEV Fredy Barth/Felix Egolf/Stefan Lüscher88
2. 03 Garage Schmid Reinach/Mitsubishi i-MiEV Bettina Schmid/Roger Vögeli/Martin Kempf83
3. 02 Garage Ruppen Visp/Mitsubishi i-MiEV Tony Bretfeld/Peter Döring/Tobias Furrer81
4. 04 Driving Center Safenwil/Mitsubishi i-MiEV Thomas Schwaller/Stefan Roth/Jürg Roffler81

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