Grosse und kleine Ikonen

Die Los Angeles Auto Show beschliesst das Auto-Messejahr 2015.

Wenn die Los Angeles Auto Show am 20. November ihre Pforten öffnet, findet das Autojahr 2015 seinen symbolischen Ausklang, bevor bereits im Januar an der CES in Las Vegas und der Detroit Auto Show die nächste Runde der Innovationen für die individuelle Fortbewegung auf vier Rädern lanciert wird.

Was sich dem Publikum bis zum 29. November an der kalifornischen Küste präsentiert, ist diesmal mehr als in vergangenen Jahren. Über 30 Weltpremieren erstrahlen in den fünf Hallen des L. A. Convention Center im Scheinwerferlicht. Dabei gehen einige Hersteller den Weg der Tradition und lassen liebgewonnene historische Fahrzeuge in neuer Form aufleben.

Retrowelle geht weiter

Fiat hat der Welt mit dem Kleinwagen 500 gezeigt, wie moderne Autos von der Historie populärer Autos aus dem letzten Jahrhundert profitieren können, wenn das Design geschickt zitiert und mit neuster Technik kombiniert wird. Und trotz dem Weggang des Erfolgsschmieds Luca de Meo zu Volkswagen und Audi setzt die italienische Marke erneut auf Retro. So ist es nicht überraschend, dass einer der zentralen Anlaufpunkte der Messebesucher in Los Angeles das Debüt des Fiat 124 Spider sein dürfte. Nicht nur der Name bedeutet eine Auferstehung einer Cabriolet-Ikone der 1960er bis 1980er Jahre, auch die Form des neuen Modells erinnert zumindest bei Frontgrill, Motorhaube mit Doppelwölbung und gestrecktem Heck an das frühere Modell. So fällt weniger auf, dass der Wagen auf der Basis des vor einem Jahr lancierten Mazda MX-5 entstand, denn die Karosserie wurde komplett neu gestaltet und fusst auf dem Mazda-Fahrwerk. Für den Antrieb hat Fiat dem 124 Spider einen 140 PS starken 1,4-Liter-Turbobenziner aus dem Konzernregal eingebaut. Ab Sommer kommenden Jahres ist der Fiat 124 Spider in der Schweiz erhältlich.

VW_Beetle_Dune_Lucy-Nicholson-ReutersRetro lautet das Stichwort auch bei Volkswagen, wo man das insbesondere in Kalifornien dominierende Abgasthema geschickt mit der Lancierung des Beetle Dune zu umfahren sucht. Das im Stile der VW-Allradfahrzeuge abgeänderte Modell soll dem Beetle gegen Ende seines Produktzyklus neuen Schub verleihen und verfügt als Hommage an die legendären Baja California Buggys über eine erhöhte Bodenfreiheit und Offroad-Beplankung. Zum Schweizer Marktstart im Frühjahr 2016 wird es den Beetle Dune als Coupé wie als Cabrio mit Benzin- und Dieselmotoren zwischen 150 und 220 PS geben, jedoch nicht mit Allradantrieb.

Mercedes_SL_Lucy-Nicholson-ReutersMercedes nützt die kalifornische Sonne zur Enthüllung des SL in seiner umfassend überarbeiteten Form mit neuer Frontpartie und stärkeren Motoren als Hommage an den berühmten Pagoden-SL von 1963. An das Herzklopf-Modell von damals erinnert jedoch bestenfalls die Typenbezeichnung, von Retro hält man in Stuttgart zurzeit wenig, auch Flügeltüren sind nicht mehr in.

Tradition haben in den USA komfortable Limousinen, zu denen auch der Jaguar XE gehört. In Los Angeles feiert die Allradversion des XE Premiere, die es hierzulande ab Frühjahr 2016 mit 180 PS starkem Turbodieselmotor und Acht-Stufen-Automatik geben wird.

Aus dem gleichen Konzern stammt der Range Rover Evoque Convertible, der es laut Hersteller besser machen soll als der vor einem Jahr sistierte Nissan Murano CrossCabriolet. Das SUV-Cabrio erinnert an den Ruhm des dachlosen Erstlings von 1948, den Land Rover Series I, setzt jedoch stärker auf Lifestyle als auf Offroad, obwohl der offene Range Rover durchaus geländetauglich ist.

SUV bleibt Trumpf

Mazda_CX9_mike-blake-reutersIn die Abteilung Geländewagen für die Stadt gehört auch der in Los Angeles enthüllte Cadillac XT5, der die SRX-Modellreihe mit 18 Zentimeter längerer Karosserie und einem um 126 Kilogramm gesenkten Gewicht ablöst. In Europa wird der luxuriöse SUV mit 322 PS im Sommer 2016 erwartet. Die Marke blickt bei der Gestaltung, ganz der derzeitigen Designlinie folgend, klar in die Zukunft. Vom glamourösen Image der fünfziger und sechziger Jahre sind nur der Name und der Komfortanspruch geblieben, selbst das Emblem wurde umfassend renoviert. Die japanische Marke Mazda gehört zu denjenigen, die erfolgreich auf ein neues Gestaltungskonzept gesetzt haben und daran konsequent festhalten. Der grosse SUV CX-9 folgt entsprechend den Linien der kleineren Brüder CX-5 und CX-3. Er wird in kleiner Stückzahl auch wieder in der Schweiz erhältlich sein, sobald die Hauptmärkte USA, Russland und China bedient sind.

In die andere Richtung, mit entsprechend mehr Relevanz für die europäischen Märkte, geht Nissans Edelmarke Infiniti mit dem QX30, der auf Basis des Mercedes GLA in eigener Designinterpretation als Konkurrent im umkämpften Kompakt-SUV-Markt ab Mitte kommenden Jahres an den Start geht. BMW kombiniert die coupéartige Bauform des ebenfalls kompakten X4 mit der Sportlichkeit der Submarke M. Der X4 M40i erblickt in Los Angeles erstmals das Licht der Weltöffentlichkeit und will mit 360 PS als Alternative zum Porsche Macan antreten.

Die Stuttgarter setzen konsequent auf moderne Sportlichkeit, wenngleich sie nach wie vor vom Sportwagen der Sportwagen, dem 911, profitieren, den sie bei einer Reihe von Modellen in der Gestaltung pfleglich zitieren. Der Porsche Cayman GT4 erscheint an der kalifornischen Messe in einer um 40 Kilogramm abgespeckten Clubsport-Version, die im Gegensatz zur Strassenversion über ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe für bequemes Schalten per Lenkradpaddel sowie eine Leichtbau-Federbein-Vorderachse aus dem 911 GT3 Cup verfügt.

Abgespeckt zeigt sich auch der Lamborghini Huracán in Los Angeles. Mit einem von 610 auf 580 PS gedrosselten Zehn-Zylinder-Motor und von Allrad- auf Heckantrieb umgestelltem System soll die 30 Kilogramm leichtere Modellvariante nicht nur in den USA dafür sorgen, dass das Puristenherz lacht. Ganz so wie beim klassischen Miura.

Wichtigste Weltpremieren in Los Angeles:
BMW X4 M40i, Cadillac XT5, Fiat 124 Spider, Infiniti QX30, Jaguar XE AWD, Range Rover Evoque Convertible, Lamborghini Huracan LP580-2, Mazda CX-9, Mercedes SL, Porsche Cayman GT4 Clubsport, Subaru Impreza 4-Türer Concept, VW Beetle Dune, Volvo Concept 26.

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