Hesse mit Finesse

Der Nachfolger des erfolgreichen SUV-Modells ix35 könnte der koreanischen Marke Hyundai ähnlich viel Erfolg bescheren, dank europäischen Qualitäten, die nicht sofort ins Auge stechen.

Selten gab sich ein asiatisches Modell so europäisch wie der neue Hyundai Tucson. Das vermag nicht zu überraschen, wurde der Nachfolger des Erfolgsmodells ix35 in Europa entwickelt, genauer gesagt in Rüsselsheim und Offenbach, in der hessischen Mitte Deutschlands. Gebaut wird das Fahrzeug in Tschechien, und gekauft werden soll es weltweit. Ob das klappt, darf Schweizer Kunden einerlei sein, denn hierzulande schrieb bereits der ix35 mit bis Ende Mai gut 10’700 verkauften Exemplaren eine ganz eigene Erfolgsgeschichte.

Das schwere Erbe anzutreten hat Hyundai dem neuen Tucson auferlegt, und nach ersten Testfahrten darf davon ausgegangen werden, dass die schwierige Übung gelingen könnte, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass der neue SUV von Qualitäten profitiert, die nicht auf den ersten Blick auffallen.

Das fängt beim Design an. Die Proportionierung des Tucson orientiert sich an der des Vorgängers, jedoch bietet er aufgrund schlankerer A-, B- und C-Säulen mehr Rundumsicht. Der neue Frontgrill in markentypischer Sechseckform zeugt mit drei dominanten Querspangen von Selbstbewusstsein. Die Radkästen sind zwar rund, deuten aber in den Aussenkonturen mit ihrer leicht eckigen Linienführung subtil an, dass der Wagen in der Kategorie der Geländefahrzeuge mitspielen möchte.

Leider deutet dies auch der Innenraum im Bereich des Armaturenträgers ein wenig an, denn wie beim Vorgänger kommt wie bei echten Geländewagen typisch ein recht hoher Anteil an robustem Hartplastik zum Einsatz. Ein reinrassiger Offroader soll der Tucson aber nicht sein, daher haben die Interieur-Designer das Problem jedoch durch eine umso hochwertigere Sitzgestaltung sowie die Option eines zweifarbigen Cockpits kompensiert. Die Sitze sind komfortabel und vorne elektrisch verstell-, beheiz- und belüftbar. Die beheizbaren Rücksitze bieten ausreichend Platz, die Rückenlehne lässt sich ein Drittel/zwei Drittel in der Neigung verstellen. Klappt man sie ganz um, entsteht ein fast flacher Ladeboden mit bis zu 1503 Litern Stauraum, in Normalkonfiguration sind es 513 Liter — sehr ordentlich. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan kommt auf 470 bis 1510 Liter. Der Tucson verfügt nun wie viele Mitbewerber über eine elektrische Heckklappe.

Bei den getesteten Antriebsvarianten gibt sich insbesondere der Zweiliter-Dieselmotor mit 185 Allrad-PS und Sechsstufenautomatik souverän. Dank maximal 400 Nm Drehmoment schiebt er zügig an und lässt sich flüssig bewegen. Ein Stopp-Startsystem fehlt in dieser Version zwar, dennoch verspricht Hyundai bei dieser Topvariante einen Durchschnittsverbrauch von 6,5 Litern. Wer das manuelle Sechsganggetriebe wählt, soll auf 0,6 Liter weniger kommen. Gemäss Hyundai-Schweiz-Chef Diego Battiston könnte diese Antriebsvariante für das Gros der Kundenbestellungen sorgen.

Die Benzinalternative mit 1,6 Litern Hubraum und einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe leistet 177 PS und ist sowohl als Allrad- wie Fronttrieblervariante verfügbar. Der Benziner gibt sich nicht ganz so agil und kräftig, profitiert aber vom seidenweich agierenden Getriebe. Ein Handschalter ist hier ebenfalls lieferbar, mit dem der Fronttriebler auf einen Verbrauch von 7,3 Litern je 100 Kilometer kommen soll. Allen Modellvarianten gemein ist ein ausgewogenes Fahrwerk, das für viel Komfort sorgt, den Tucson jedoch auch recht dynamisch bewegen lässt. Wer vom Normal-Modus auf Sport umschaltet, erhält zudem eine schärfere Lenkung und eine temperamentvollere Gangwahl.

Auf dem Papier ist der Hyundai Tucson ein sogenannter Softroader, der sich fürs schwere Gelände nicht eignet. Eigentlich. Er verfügt in der 4WD-Variante auch nicht über eine Getriebeuntersetzung. Doch im Geländeparcours zeigt sich überraschend, dass der SUV selbst in anspruchsvollen Passagen auch so gut zurecht kommt. Die Achsverschränkung ist zwar limitiert, aber das intelligente Allradsystem verteilt die Antriebskräfte flink zwischen der hauptsächlich angetriebenen Vorderachse und der bis zu 50 Prozent bedienten Hinterachse. Hinzu kommt die ESP- und ABS-Unterstützung, die zwischen den Rädern jeder Achse ebenfalls zu dosieren weiss. Eine Bergabfahrhilfe sorgt für sehr moderate Bewegung im steilen Abwärtsgelände, und wenn es besonders rutschig wird, lässt sich die Kräfteverteilung per Knopfdruck gleichmässig auf Vorder- und Hinterräder fixieren.

Er könnte also, wenn er wollte, und die verfügbaren Rampen- wie Böschungswinkel wie die Schutzelement an Front und Heck würden Offroadausflüge auch ohne Karosserieschäden zulassen. Doch nur die wenigsten Tucson werden abseits asphaltierter Wege unterwegs sein, was den durchaus valablen Erfolgsaussichten des ix35-Nachfolgers keinen Abbruch tut. Erste Fahrzeuge sind bereits bei den Schweizer Händlern, die Kunden sollen ihre Wagen ab September erhalten. Die Schweizer Preise beginnen bei 24’950 Franken für das frontgetriebene Einstiegsmodell mit 1,7-Liter-Diesel. Das Topmodell mit Zweiliter-Diesel und 185 Allrad-PS kostet ab 43’650 Franken.

Noch keine Kommentare bis jetzt.

Einen Kommentar schreiben

Du musst angemeldet sein um hier zu kommentieren.