Hochspannung beim 12h-Rennen

Beim zweiten Swiss Energy Grand Prix auf dem Rundkurs in Lignières lieferten sich elf Teams in handelsüblichen Elektroautos ein Rennen durch die Nacht. Es wurde sorgfältig gefahren und fleissig geladen. Fast alle kamen ins Ziel.

Was sich in der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag zwischen 19 und 7 Uhr auf dem kleinen Rundkurs im neuenburgischen Lignières zutrug, war nichts weniger als ein Stück Automobilgeschichte. Zur Demonstration der Leistungsfähigkeit heutiger Elektroautos lud das Klassik-Festival «Lignières Historique» zur Rahmenveranstaltung Swiss Energy Grand Prix, und elf Teams traten zum 12-Stunden-Rennen an.

Die Regeln waren klar: Nicht ein Rennen auf Biegen und Brechen stand im Vordergrund, sondern die Wahl der richtigen Strategie. Zugelassen waren nur Serienfahrzeuge mit 100 Prozent elektrischem Antrieb sowie handelsübliche Ladestationen. Drei Pilotinnen und Piloten teilten sich die Fahreinsätze auf der Rennstrecke.

Wer auf dem 1,25 Kilometer langen Rundkurs auf Tempo fuhr, hatte gleich mit zwei Handicaps zu kämpfen: Die Reichweite verkürzte sich bei forcierter Fahrt genauso wie die Lebensdauer der Profilreifen. Manches Team wählt ein sehr moderates Tempo und schonte die Batterie und die Pneus, im Ergebnis mit einem wahrhaften Hase-und-Igel-Effekt. So wurde beispielsweise ein BMW i3 etliche Male überholt, verbrachte jedoch deutlich mehr Zeit auf der Rennstrecke als an der Ladestation. Im Ziel belegte das besonnene Team Umwelt-Arena aus Zürich den fünften Platz.

Wie im Vorjahr, als der erste Swiss Energy Grand Prix in Lignières über 100 Runden ausgetragen wurde, sah auch diesmal der Tesla Model S des Teams Chargelocator als der sichere Sieger aus. Doch die insgesamt 429 gefahrenen Runden hätten nur für Rang drei gereicht. Hätten, denn das Team verkalkulierte sich und rollte in der allerletzten Minute des Rennens mit leerer Batterie rund 400 Meter vor der Zielflagge aus und wurde Letzter.

So gab es überraschend einen Doppelsieg für Renault Schweiz, das mit zweiZoe angetreten war. Die Sieger André Hefte, Denis Robert und Simon Rossel profitierten mit ihren insgesamt 435 gefahrenen Runden von einer minutiösen Vorbereitung auf Herstellerseite und den am besten funktionierenden Ladevorgängen. Diese waren der eigentliche Schlüssel zum Erfolg. Die Sieger legten in den zwölf Stunden der Strategieprüfung, die nur von zwei 30-Minuten-Pausen unterbrochen wurde, insgesamt 543,75 Kilometer zurück. Beim letzten in der Wertung figurierenden Team, einem Nissan Leaf, resultierten 358 Runden oder 447,5 Kilometer.

Das Ergebnis darf die Veranstalter und die teilnehmenden Hersteller und Teams stolz machen und ermutigen. Die automobile Pionierveranstaltung zeigte, dass Elektroautos in Leistung und Kapazität genauso Fortschritte machen wie die immer kürzeren Ladezeiten. Wenn die Industrie mit dem raschen Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur unter Einbezug nachhaltiger Energiequellen nachzieht, hat das Elektroauto bereits mittelfristig eine echte Chance.

Hier geht es zum Original-Artikel in der NZZ.

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