Ins echte Leben

Jetzt geht es also los. Bin pünktlich zu meinem ersten Einsatztag um 6 Uhr 50 in der Zentrale erschienen und kriege gezeigt, wie man die Tachoscheibe in den Kienzle-Fahrtenschreiber einlegt. Der ist unter dem Handschuhfach angebracht und nicht einfach zu erreichen. Fummelarbeit bis es klappt. Dann der Taxameter, im Jargon nur „die Uhr“ genannt. Alles mechanisch mit viel Klick-klack.

Der Wagen gehört einem der Festangestellten. Entsprechend durchgesessen ist der Fahrersitz, kein Wunder bei bereits 220‘000 Kilometern auf dem Buckel. Der Sitz ist mit Plüschfell überzogen. „Nicht meckern, das wird Dir in der Sommerhitze noch nützen“, meint der Mechaniker in der Tiefgarage.

Und damit los. Ziel ist die Taxivorfahrt am Hauptbahnhof. Ich kriege noch eingebläut: „Nicht vordrängeln, immer auf das Einsteigen der Taxigäste warten. Dann aber doch aussteigen und beim Einsteigen und Gepäck verladen helfen. Adresse abfragen und los. Wenn Du mal nicht weisst, wie Du ans Ziel kommst, erst den Gast fragen. Wenn der es auch nicht weiss, die anderen Taxifahrer hinter Dir fragen – die geben gerne Auskunft.“

Ich stelle mich hinten in die Reihe. Vor mir noch neun weitere Taxis. Nach rund 20 Minuten bin ich vorne. Ein Geschäftsmann mit kleiner Aktentasche steigt ein. „Hotel Ambassador.“ Das kenne ich. Also Uhr einschalten und los. Schon sind fünf Franken „verdient“, die Grundtaxe. Vorne geht es gleich links. Ich biege ab, und schon war es falsch – eine zu früh. Jetzt kann ich an der nächsten Kreuzung nur rechts und dann nicht wieder links. Also über die grosse Kreuzung und per U-Turn über die Sicherheitslinie.

Mann-o-mann das gibt Abzüge in der B-Note. „Wissen Sie den Weg nicht?“, sagt mein Fahrgast. Die Höchststrafe schon beim ersten Kurs.

Dann aber geht es reibungslos bis zum Ziel. Taxameter abstellen und einkassieren. Mist, zu wenig Wechselgeld, aber immerhin schon 60 Rappen Trinkgeld bekommen. Jetzt noch Quittung schreiben, auf dem kleinen gelben Blöckli, fertig. Es geht wieder zurück zum Bahnhof.