Kindheitstraum steht vor Verwirklichung

Nach mehr als 50 Jahren versucht Christian Borgward die vom Grossvater gegründete Automarke wieder aufleben zu lassen. Anfang März will er am Autosalon Genf seine Zukunftspläne erläutern. Hinter dem Projekt werden chinesische Investoren vermutet.

Es sieht gegen aussen nach einem fundierten Automobilprojekt aus. Gemäss Autosalon Genf ist die Marke Borgward Anfang März mit einem eigenen Stand in Halle 2 des Automobilsalons Genf präsent. Dahinter steckt der Enkel des Firmengründers Carl F. W. Borgward. Dieser hatte die Borgward-Gruppe 1919 gegründet und bis 1961 mehr als eine Million Fahrzeuge produziert, darunter auch Nutzfahrzeuge, LKWs, Busse, Feuerwehrautos und Elektroautos. Selbst Boote und Helikopter gehörten zu den Borgward-Entwicklungen.
Borgward produzierte bis 1961 in Bremen mehr als eine Million Fahrzeuge. Borgward produzierte bis 1961 in Bremen mehr als eine Million Fahrzeuge.(PD)

Mit mehr als 20’000 Mitarbeitern in Bremen entstanden zukunftsweisende Autos wie der Hansa 1500 mit dem ersten Ponton-Chassis, der P100 mit Luftfederung und die berühmte Isabella, von der allein mehr als 200’000 Limousinen und Coupés verkauft wurden.

Christian Borgward Isabella

Christian Borgward, Enkel des Firmengründers Carl F. W. Borgward, vor dem Borgward Isabella Coupé.

Für den 3. März hat nun Christian Borgward, der Enkel des Firmengründers, am Automobilsalon Genf eine Medienkonferenz angekündigt, in der er die Zukunftspläne der Borgward AG erläutern will. Woher das Startgeld für die Wiederbelebung der deutschen Traditionsmarke kommen soll, bleibt zunächst unklar. Nach Insider-Informationen der Fachzeitschrift «Auto Bild» steckt der chinesische Nutzfahrzeug-Riese Beiqi Foton Motor Company hinter dem Investment, der sich im März 2014 die Borgward-Markenrechte gesichert habe. So wolle Foton, bisher als Nutzfahrzeugspezialist und Teilhaber eines Joint Venture mit der Daimler AG bekannt, ab 2015 insgesamt fünf neue Fahrzeuge auf den Markt bringen, darunter eine Oberklasselimousine. Diese könnte unter dem Markennamen Borgward vom Band rollen.

Zweifel angebracht

Eine Webseite hat Borgward bereits, ein Image-Video ebenfalls, und für die PR kommt ein Luzerner Büro zum Einsatz. Soweit so gut. Und doch bleiben grosse Zweifel an der Machbarkeit des Projekts und die Erinnerung an eine andere untergegangene Marke aus Deutschland, die mit Pauken und Trompeten auferstehen sollte.

IMG_0953

Der Trabant nT ist eine Elektroautostudie, die 2009 an der IAA in Frankfurt präsentiert wurde. Das Projekt blieb mangels Investoren bisher in der Schublade.

Als 2007 das Modell eines «New Trabi» im Massstab 1:10 präsentiert wurde, träumte so mancher Traditionalist von der Rückkehr der Ost-Ikone Trabant. Zwei Jahr später stand auf der IAA in Frankfurt ein fahrtüchtiges Elektroauto, die Studie Trabant nT. Doch danach wurde es still um die Trabi-Rückkehr, aus der Serienfertigung ist bis heute mangels fehlender Investoren nichts geworden.

Bleibt zu hoffen, dass Christian Borgward in Genf nicht nur Träume, sondern handfeste Fakten für die Entstehung eines Serienmodells präsentieren wird. Investitionen aus China sind dafür noch kein Garant, wie gescheiterte Europapläne von Marken wie Brilliance und BYD zeigen, beide in vergangenen Jahren mit eigenen Messeständen in Genf präsent.

Hier geht es zum Original-NZZ-Artikel.

Noch keine Kommentare bis jetzt.

Einen Kommentar schreiben

Du musst angemeldet sein um hier zu kommentieren.