Kolbenfresser

Dritter Kurs heute, es ist schon elf Uhr. Wieder ein weisses Taxi, muss ein ganz altes Modell sein, dem Geruch nach. Der Lenkradkranz ist halb abgefressen, teilweise aufgeplatzt und der gelbliche Schaumstoff drückt durch. Der Fahrersitz ist komplett durchgesessen. Aber die Kundin, eine rund Vierzigjährige, will vom Bärenplatz bis nach Laupen zu einer Gärtnerei. Das bringt ein bisschen Strecke und Umsatz, aber dann hänge ich weit draussen vom Stadtzentrum entfernt fest. Also melde ich schon beim Losfahren über Funk, dass ich in Bümpliz stehe. Merkt ja keiner.

Ich habe Glück, denn kaum habe ich die Dame abgesetzt und kassiert, kriege ich einen neuen Auftrag in Köniz. Also nichts wie los, ich fahre ein Stück Autobahn, um Zeit zu sparen. Aber dann leuchtet die Öllampe rot auf, und vorne raucht es unter der Motorhaube heraus. Panik, ich schalte die Warnblinkanlage ein und weiche auf den Pannenstreifen aus. In der Aufregung schalte ich den Automatikwahlhebel nicht auf „N“, sondern in „P“. Beim Ausrollen rattert es wie blöd.

Erstmal Haube entriegeln, aussteigen und nachsehen. Haube auf, und da sehe ich auch schon das Problem. Der Öltankdeckel fehlt, alles Öl ist raus, Kolbenfresser. Ich melde über Funk das Malheur. Nach einer halben Stunde ist ein Werkstattmitarbeiter vor Ort und schleppt mich ab. Natürlich nicht ohne mir gleich Vorwürfe zu machen, da ich das ja schon bei Schichtbeginn hätte merken müssen. Ich wehre mich – erfolgreich – gegen die Vorwürfe. Schliesslich ist es die Aufgabe jedes Kollegen, das Öl bei Schichtende zu kontrollieren und aufzutanken. Aber ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem, denn dieser Wagen ist jetzt bestimmt ein Totalschaden.

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