Liebe Kollegen

Da muss wohl gerade ein Zug aus Zürich angekommen sein. Gleich fünf verschiedene Fahrgäste wollen in die Taxis vor mir einsteigen. Alle fahren gleichzeitig los, als gäbe es ein Rennen mit Le-Mans-Start. Ich bin sofort ebenfalls an der Reihe mit einer älteren Dame. Die will an den Bürkiweg 10 chauffiert werden.

Keine Ahnung wo das ist. „Wie komme ich dort hin?“, frage ich die Dame höflich. „Das ist Ihr Job“, entgegnet sie im Sankt Galler Dialekt. „Woher soll ich wissen wo das ist. Warum, glauben Sie, nehme ich ein Taxi?“

Dann frage ich mal den Kollegen hinter mir. Der hat schon einen Gast eingeladen und will gerade losfahren. Er beschreibt es mir widerwillig und ultraschnell in gebrochenem Berndeutsch mit italienischem Akzent die Route und fährt ab – bis zur Ampel, die zwanzig Meter weiter auf Rot steht. Ich fahre auf die Parallelspur und schaue zu ihm hinüber. Er gestikuliert wild zu mir rüber und schüttelt dann den Kopf.

Diesmal fahre ich wieder die erste links ab, weil ich denke, dass es diesmal richtig ist. Aber zum dritten Mal falsch, wie der liebe Kollege mir beim Vorbeifahren andeutet: Er hat die Scheibe runtergekurbelt, hängt mit dem Oberkörper halb aus dem Auto und rudert wild mit den Armen. OK, ich hab’s endlich begriffen.

Diesmal keine Wende, sondern ein winziger Umweg, der vielleicht 20 Rappen extra kostet. Madame hat es bemerkt und quittiert mit „Dafür gibt’s kein Trinkgeld“. Auch OK blöde Zicke, Lehrgeld. Und auf die Hilfe der Kollegen setze ich lieber nicht zu viel.

Noch keine Kommentare bis jetzt.

Einen Kommentar schreiben

Du musst angemeldet sein um hier zu kommentieren.