Mit der Corvette in und aus Le Mans

Grosses Kino in der Sarthe: Drei Rennrunden auf dem legendären Rundkurs des 24h-Rennens und Langstreckentest auf dem Weg zurück in die Schweiz. Vette-Fahrt.

corvette_lm14_12Für einmal ist das Rahmenprogramm die Hauptsache. Das berühmte 24-Stunden-Rennen von Le Mans wird am Samstag um 15 Uhr gestartet, doch bereits habe ich drei Runden im ambitionierten Tempo auf der 13,5 Kilometer langen Strecke in der Sarthe absolviert. Als passendes Vehikel dient eine brandneue Corvette C7 Stingray, und der 6,2-Liter-Bolide macht seine Sache vor dem bereits zahlreichen Publikum und vielen fotografierenden Streckenposten ausgezeichnet. Fahrprogrammschalter auf Track Mode und ab dafür. Die Parade der Corvettes, von der C1 über eine Vielzahl von C6 bis hin zu den sechs neuen Modellen der siebten Generation ist alles vertreten, arbeitet sich durch die Dunlop-Schikane zügig vor bis zur Tertre Rouge. Noch ist alles ganz gemütlich. Möglich gemacht hat die gepflegte Ausfahrt um 7:30 Uhr der Corvette Owners Club.

corvette_lm14_11Womit nicht zu rechnen war: Das vorausfahrende Safety Car lässt es richtig fliegen, und so dürfen auch wir die Schaltanzeige mit den in Reihe aufleuchtenden LEDs im Headup-Display ausreizen, über die Kerbs brettern und bis zu 1,5 G Querbeschleunigung – auch die im Head-up-Display abzulesen – auskosten. Mehr leider nicht, denn mit im roten C7 Cabriolet sitzt Star-Fotograf Thorsten Weigl, und der soll ja nicht herausfallen. In den beiden Schikanen der Hunaudières muss er sich mit aller Macht an die Kopfstütze klammern. Sorry Thorsten.

Zweimal werden wir durch gelbe Flaggen eingebremst, denn zwei der ebenfalls mitfahrenden Lotus haben kapitale Motorschäden mit reichlich Ölverlust zu beklagen. Die Strecke muss rund um die Arnage-Kurve gereinigt werden. Thorsten hat die ersten beiden Runden für Fahraufnahmen der bunten Corvette-Parade genutzt, hat alles im Kasten und ist nun wieder ordentlich angeschnallt, als wir die C7 Stingray durch die Porsche-Kurven treiben. So wird die letzte Runde zum kleinen Qualifying.

corvette_lm14_08Dennoch: mehr als 240 km/h kann ich selbst auf der berühmten Hunaudières-Geraden nicht erreichen, nota bene im vierten von insgesamt sieben Gängen. Die Gangwahl beschränkt sich auf der Runde ohnehin auf die Gänge zwei, drei und vier. Zu viele Fahrzeuge sind unterwegs, und es ist ja kein Rennen, sondern nichts anderes als eine einmalige Gelegenheit zur Fahrt auf einer der berühmtesten Rennstrecken der Welt, die nur wenige Stunden später zum globalen Nabel der Motorsportszene wird. Für Corvette am Start sind zwei gelbe C7.R mit den bewährten Teams Garcia/Magnussen/Taylor und Gavin/Milner/Westbrook.

Die Rennteams schlagen sich anfänglich auch nicht schlecht. Rasch werden sie aufgrund ihres brachialen Motorsounds zu Publikumslieblingen, und in der GTE PRO Klasse belegen sie zwischenzeitlich die Ränge 1 und 5. Erst im Morgengrauen entstehen im in der Klasse führenden Fahrzeug Probleme mit dem Ölkreislauf, die zu längeren Boxenaufenthalten führen und das Team um mehrere Runden zurückwerfen.

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Und kaum geht die grosse Ausdauerschlacht rund um die Uhr in ihre Schlussphase, bin ich bereits wieder auf dem Weg vom Streckenareal. Noch ein paar Auskünfte an Fans der neuen C7, die auch mal hören wollen, wie die vier zentral im Heck aufgereihten Endrohre den mächtigen V8 ertönen lassen, ein extra Gasstoss im Track Mode für den kontrollierten Knalleffekt, und dann rolle ich von der abgesperrten Rasenfläche unweit des berühmten Le Mans Riesenrads, die nur für Corvettes reserviert ist.

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Die ersten 400 Kilometer, vorbei am südlichen Ende von Paris, absolviere ich auf der Autobahn im Touring-Modus. Sanft gleitet der 450-PS-Bolide entlang, nicht selten überholt von Schaulustigen, die in halsbrecherischen Posen auf dem Smartphone ein Corvette-Video – möglichst mit Selfie – aufnehmen wollen. Musik aus dem per Bluetooth gekoppelten Handy, aber bitte mit genügend Lautstärke, denn der Lärmpegel ist selbst bei zurückhaltender Fahrt nicht gering. Wind- und Abrollgeräusche der 19-Zöller mit 245er-Bereifung vorne und 20-Zöller mit 285ern hinten sind die Hauptursache.

Zeit zum Auftanken im Burgund. Ich gönne dem amerikanischen Schlachtschiff eine Ladung 100-Oktan-Sprit und mache mich auf den Weg in die Franche Comté und ins Elsass. Die Autobahn wird nun kurvig und führt durch coupiertes Gelände. Umschalten auf den „Sport“-Modus. Die Abgasanlage meldet sich nun mit sonorem Bollern, besonders akzentuiert in den Beschleunigungsphasen. Das beherzte Angasen nach Mautstellen ist ein Fest für den Piloten und die weiteren Verkehrsteilnehmer. Die Tanknadel zuckt.

Ein kurzer Zwischenspurt auf dem 15 Kilometer kurzen Stück deutscher Autobahn ohne Tempolimit. Kurz, aber wirklich gaaaanz kurz zeigt das Headup-Display Tempo 319 km/h an. Dann schon folgt die Schweizer Grenze. Der Beamte zeigt keine Freude an der nagelneuen Corvette mit deutschem Kennzeichen, der hierzulande übliche Neid kennzeichnet seine Gesichtszüge. „Und Vignette brauchen Sie bei uns keine?“, ist alles was ich zu hören bekomme. Dochdoch, ich kaufe gleich ganz beflissen eine und darf nun ganz legal bei Tempo 120 in Richtung Chevrolet Europe gleiten. In Glattbrugg ist die Reise zu Ende, im Parkhaus des europäischen Hauptsitzes. Vielen Dank, liebe C7, hast‘s gut gemacht. Genauso gut wie die Renn-Corvettes in Le Mans, die in ihrer Klasse am Ende die Plätze 2 und 4 erzielen konnten. Gratulation!

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