Polo in der Zeitmaschine

Erst im direkten Vergleich des VW Polo von 1977 und des neusten Modells der erfolgreichen VW-Kleinwagens offenbart sich vollends, was sich innerhalb von fast 40 Jahren bei der Fahrzeugentwicklung getan hat. Faszinierend.

vw_polo_1977_02Hier der brandneue VW Polo mit 1,2-Liter-Benzinmotor, der aus vier Zylindern 90 PS Leistung schöpft und mit einer Vielzahl an elektronischen Helferlein für Fahrfreude und Sicherheit sorgt. Dort der Urahn der ersten Generation – in diesem Fall ein Exemplar aus dem Wolfsburger Werksmuseum mit 0,9-Liter-Vierzylinder und gerade mal 40 PS. Die reichen aber aus, denn der erste Polo wog nur 685 Kilo, der neue Kleinwagen bringt mit 1107 Kilo deutlich mehr auf die Waage.

Was die Fahrleistungen betrifft, liegt der Neue klar vorne (siehe Tabelle). Beim Fahrspass aber kann man geteilter Meinung sein. Der gute alte Ur-Polo sorgt bei der Fahrt für breites Grinsen beim Piloten wie bei den Fussgängern, die freundlich hinterher winken. Der soeben geliftete 2014er hingegen ist einfach nur unaufgeregt, sachlich, schlicht gut.

vw_polo_1977_01Klar, die Lenkung des ersten Polo dürfte etwas direkter ausgelegt sein und weniger Spiel beim Geradeauslauf haben, aber bei dem geringen Fahrzeuggewicht kann man getrost auf eine Servolenkung verzichten. Dass rechts der Aussenspiegel fehlt (er war damals nur optional), ist schon etwas schmerzlicher. Und an Bremskraftverstärker haben wir uns gerne gewöhnt – dieses Goodie fehlt ebenfalls beim 1977er Modell.

Und was ist das für ein roter Knopf links neben dem Ur-Polo-Lenkrad mit seinem ultradünnen Kranz? Aha, der Choke: dieses Untensil zur Erleichterung während der Kaltstartphase (und die ist beim  77er Polo ganz schön lang) dürften nur noch die älteren Semester kennen. Genauso wie den Vergaser, der gut eingestellt sein will. Sonst verschluckt sich der Polo nämlich bei vollem Gasgeben etwas, wie das hellblaue Museums-Exemplar beim Beschleunigen regelmässig beweist.

Heute gibt es statt Vergaser eben Direkteinspritzung, Turbo, Stopp-Start und beim Polo Blue GT sogar Zylinderabschaltung. Laufkultur, Laufruhe und Komfort selbst in schnell gefahrenen Kurven. Von Seitenneigung wie im Ur-Polo ist kaum etwas zu merken.

Stattdessen darf sich der Fahrer dem komplexen Infotainment der neusten Generation im neuen Polo widmen, mit Navi, “Mirror Link” zur Abbildung der Smartphone-Oberfläche, Digitalradio und so weiter. Beim alten Polo lässt sich an zwei Plastikreglern spielen: Einer für die Lüftung, einer für die ungefähre Temperatur. Und beim Blaupunkt-Einbauradio findet sich nach millimetergenauer Suche per Drehregler auch mal ein Sender.

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Reicht doch, würden Puristen sagen. Und dann – psssst – doch heimlich den neuen Polo kaufen, den es ab Ende April geben wird. Wohl dem, der beide haben kann.

Jg.ModellZyl. / Hubr.Leistung / Drehmoment0-100 km/h / SpitzeGewichtVerbrauch
1977 Polo L  R4 / 895 cm3 40 PS / 61 Nm 21,7 s / 132 km/h685 kg7,5 l/100 km
2014 Polo TSI  R4 / 1197 cm3 90 PS / 160 Nm 10,8 s / 184 km/h1107 kg4,7 l/100 km

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