RAID 2014: Der längste Tag

raid2014_02_01Der Freitagmorgen begrüsst uns mit Regen. Auf dem Parkplatz gibt es das nächste Roadbook sowie das Auswertungsblatt vom Vortag. Überraschenderweise haben wir nur wenige Strafpunkte kassiert. Einzig bei einer Schlauchprüfung, bei der wir rund 20 Meter in 8 Sekunden zu absolvieren hatten, stehen viele Punkte zubuche. Doch wie soll es möglich gewesen sein, dass wir die Distanz in nur 2,7 Sekunden geschafft haben sollen? Der Passat ist ja schnell, aber Überschall – kaum möglich. Da müssen wir wohl bei der Rallye-Leitung einen Protest deponieren.

Die erste Etappe des Tages führt zunächst weiter durchs Elsass/Lothringen und belustigt uns mit der Streckenführung über Ortschaften mit lustigen Namen wie “Yutz” oder “Boucheporn”. Irgendwann begegnen wir gelben Ortsschildern – wir sind in Luxemburg. Immer wieder treffen wir auf grüne Fahnen am Wegesrand. Die Warnung vor dem Beginn einer Schlauchprüfung oder einer Sonderprüfung. Dann sind wieder Stoppuhr und besondere Präzision verlangt. Einmal führt die Strecke über ein bolzengerades Stück Strasse. Acker wäre die bessere Bezeichnung, und die Lagondas, E-Types und Jensens schleichen darüber, um ja kein Schlagloch zu übersehen, das die edlen Fahrwerke zerstören würde. Unser Passat Variant I von 1974 aber nimmt diese Passage mit Tempo 90, ungerührt, aber tüchtig geschüttelt. Wir fliegen an den britischen und italienischen Preziosen vorbei, die Konkurrenz schüttelt die Köpfe.

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Mittagessen gibt es in dem hübschen Städtchen Longwy und die einberechnete Pausenzeit von 100 Minuten schöpfen wir hier voll aus. Ein Fehler, wie sich später herausstellen wird. Denn auf Etappe zwei treffen wir auf jede Menge Landmaschinen und Lastwagen, sodass uns die Zeit langsam davon läuft. Bis zum Ziel nach Lüttich wird es eng, wir müssen es nun richtig fliegen lassen. Sehr zur Freude eines roten Alfa, der sich anhängt und seinen grossen Spass an der Kurvenjagd mit dem alten Passat hat. “Was für ein Spass”, teilt mir am Etappenziel der Alfa-Pilot mit. “Das erinnert mich an eine ähnliche Jagd mit einem roten VW Golf GTI im letzten Jahr”, fügt er an. “Kann ich verstehen”, sage ich, “denn das war letztes Jahr auch ich.”

Abends treffen wir in Lüttich ein. Die Fahrzeuge parken wir in einer Hoteltiefgarage, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Wir sind in einem durch Hubtore abgetrennten Bereich untergebracht, geschützt von den Obdachlosen, die im vorderen Teil ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. In der Tiefgarage treffen wir auf unsere Freunde Brigitte und Bojan, deren Lotus Esprit S2 unter den holprigen Strassen Belgiens gelitten hat. Der vordere Kühler ist nach mehrfachem Bodenkontakt undicht geworden. Der mitgereiste TCS-Pannendienst schafft Abhilfe mit Dichtmittel. Jetzt noch schnell den Protest gegen die Überschall-Schlauchprüfung deponieren, gegen ein Depot von 100 Euro, und dann aufs Abendessen freuen. Und mittlerweile ist unsere fliegende Familienkutsche so etwas wie ein Maskottchen geworden, von vielen wohlmeinenden Konkurrenten schon ein wenig liebgewonnen. So bürgert sich unser nicht ganz ernstgemeinter Spruch als Running Gag ein: “Wenn Ihr was Oranges ankommen seht: Einfach Platz machen!”

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