Raid Suisse-Paris 2013: In alter Frische

Im Starterfeld des 23. Raid Suisse-Paris gehörte der Golf GTI I aus dem Jahr 1976 trotz seiner 37 Lenze zu den jüngeren Semestern. Er zeigte bei der Klassik-Rallye den Schätzchen aus früheren Jahren gern sein rot-schwarzes Heck.

«Wieviele PS hat der?», fragt der freundliche Pilot des Alfa Romeo Spider Veloce Baujahr 1978, der sich bei der Spezialprüfung in Lothringen soeben vom roten Golf GTI überholen lassen musste. «Hundertzehn», lautet die Antwort. «Und das Fahrwerk, was ist daran geändert?» Gar nichts, dieses Fahrzeug stammt aus der AMAG-Sammlung und ist im Originalzustand. Kopfschütteln beim Alfa-Fahrer: «Meiner hat mehr Leistung,
aber ich komme kaum mit.»
Das ist auch nicht nötig, er startet beim Raid Suisse-Paris in der Kategorie «Tourisme» und darf ein tieferes Durchschnittstempo einhalten als der zwei Jahre ältere Golf GTI. Der tritt in der «Sport»-Klasse an und muss bei den Prüfungen jeweils einige Veteranen und Tourisme-Fahrzeuge überholen, um das errechnete Zeitfenster am Ziel sicher zu erreichen.

Auch als Oldtimer top in Form
Doch selbst wenn sich der 37 Jahre alte Volkssportler sputen muss: Für die beiden Journalisten von «auto-illustrierte» und «Automobil Revue» ist es das reine Fahrvergnügen. Erste Überraschung: Die Originalsitze mit Karomuster sind so straff gepolstert wie am ersten Tag. Selbst nach acht Stunden Autofahrt geben sie nicht nach – des Rallyefahrers Rücken dankt.
Beim Starten kommt die Erinnerung an die Siebziger: Der Einspritzer mit Bosch-K-Tronic zickt im halbwarmen Zustand ein bisschen, doch nach bis zu 30 Sekunden «Orgeln» läuft er zaghaft an und ist dann voll da. Dann die ersten Fahrten vom Start in Muttenz bei Basel hinüber ins Elsass, am Grand Ballon vorbei, hinauf ins Vogesen-Bergland. Das Lenkrad liegt prima in der Hand, die Rundumsicht durch die grossen Scheiben  ist perfekt. Der Golfball des Schalthebels schmiegt sich in die Hand, die Viergang-H-Schaltung funktioniert reibungslos wie am ersten Tag, wenngleich mit langen Schaltwegen.
Macht nichts, denn der Benziner ist so elastisch, dass häufiges Schalten gar nicht nötig ist – die zweite Überraschung. So sind selbst enge Passkehren im dritten Gang flott zu nehmen. Das immer noch ausgezeichnete Fahrwerk leistet für die dynamische Fahrt seinen Beitrag. Die Seitenneigung ist gering, und der Fronttriebler neigt auch nicht zum Untersteuern.
Selbst die Hinterachse hat einen kleinen Mitlenkeffekt. Das trägt zur Handlichkeit bei – sehr zum Leidwesen der Konkurrenz, die den roten GTI ständig passieren lassen muss.
Doch was man heutzutage gerne hätte – Assistenzsysteme, Airbags, Entertainment: alles Fehlanzeige. Die neuen Golf Modelle sind da technisch weit voraus. Die Charmewertung aber, die gewinnt der alte Herr am Ziel in Chantilly bei Paris. Überlegen.

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