Rhythmus gefunden

Was mit nervigen Trainingsrunden begann, entwickelte sich für mich zur bisher erfreulichsten Rennfahrt, auch wenn wir das Auto letztlich nicht ins Ziel bringen konnten.

VLN2015-02_R_06Der zweite Lauf zur VLN war zugleich der erste mit verschärften Bedingungen. Lizenzen und Armbändel wurden minutiös kontrolliert, genauso wie die drei Zonen mit Geschwindigkeits-Limiten von 200 und 250 km/h. Für unseren Toyota GT 86 kein Problem, denn in den fraglichen Streckenabschnitten erreichen wir mit unseren 200 Sauger-PS nicht annähernd solche Tempi.

Ganz anders die vielen GT3-Fahrzeuge, deren Fahrer nun immer öfter auf den Tacho statt auf die Strecke blicken müssen. Zudem scheint das gelegentlich nötige Abbremsen bei den Piloten so auszuwirken, dass sie in den anderen Streckenteilen besonders rücksichtslos fahren und überholen, um verlorene Zeit aufzuholen. Fazit dieser Sicherheitsmassnahme des DMSB: Gut gemeint, aber hoffentlich nicht mehr als eine Zwischenlösung mit geringer Halbwertszeit.

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Auf mich jedenfalls wirkt sich die neue Situation so aus, dass ich im freien Training, das bei strahlendem Sonnenschein stattfindet, kaum auf Rundenzeiten komme. Teilweise werde ich von Autos der GT3-Fraktion an Stellen überholt, wo es schlicht nicht korrekt ist, zum Beispiel innen in der Mutkurve. Egal, für Kopfschütteln bleibt keine Zeit auf der Nordschleife, aber die Rundenzeiten sind zum Vergessen, und die Reifen kriegen viel zuviel Reifen-Pickup.

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Gleiches auch am Samstagmorgen im Qualifying. Jetzt werde ich sogar von zwei Fahrzeugen links und rechts gleichzeitig überholt, zudem bei leicht feuchter Piste, wo den profillosen Reifen gelegentlich der Grip fehlt. Besonders unangenehm, wenn es sich um schnelle Passagen wie Flugplatz oder nach dem Pflanzgarten handelt. Erneut sind meine Rundenzeiten zum Vergessen. Teamkollege Christoph Lötscher erlebt eine ähnliche Situation und riskiert nichts.

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Ich darf diesmal den Start fahren. Leider ist unsere Wahl der Regenreifen bei zunächst einsetzenden Schauern ein Fehler, denn die erste Runde findet bereits auf trockener Piste statt. Die Reifen schmieren, der Toyota GT 86 benötigt viel Platz auf der Piste, um wieder eingefangen zu werden. Ich überlege sogar, das ESP wieder einzuschalten, lasse es dann aber doch bleiben.

VLN2015-02_R_13Nach zwei gefahrenen Runden komme ich an die Box und hole gebrauchte Slicks ab. Dabei wird gleich nochmals vollgetankt, so dass ich noch sieben komplette Runden fahren kann. Also schnell raus auf die Piste, aber Vorsicht – in der Boxengasse gilt neu Tempo 50 km/h, sonst drohen Zeitstrafen. Dann erste Kurve, aber Vorsicht – die Reifen sind noch kalt, das Heck bricht auch gleich kurz aus.

Aber dann, aber dann. Jetzt geht es ab wie gewünscht, schnelle Kurven wie Hatzenbachbogen, Flugplatz, Fuchsröhre, Klostertal – alles geht voll. Macht einen riesigen Spass, und es gibt jede Menge langsamere Autos zum Überholen. Das bringt zusätzliche Motivation, ich komme immer mehr in den Rhythmus. Gelegentlich gibt es Doppelgelb-Bereiche, wo ich auf 60 km/h herunterbremsen muss, dennoch aber gelingen mir Zeiten um die 10 Minuten 30 Sekunden. In einer ganz freien Runde wäre das deutlich weniger.

Nach insgesamt zehn Runden gehe ich planmässig an die Box, um an Christoph Lötscher weiter zu geben. Er hat einerseits Glück, dass eine unerwartete kleine Reparaturpause mit dem einsetzenden Regen zusammenfällt. So können gleich wieder Profilpneus montiert werden. Doch andererseits Pech, denn Christoph verliert das Auto unvermittelt im Bereich Ex-Mühle und rutscht – vielleicht aufgrund einer Ölspur – frontal in die Leitplanke der rechten Streckenbegrenzung.

So komme ich nicht nochmals wie ursprünglich geplant zu weiteren Runden bis zum Zieleinlauf, was Christoph fast mehr leid tut als mir selbst. Egal, es war letztlich ein gutes Rennwochenende für mich persönlich, auch wenn es zunächst miserabel begann und dann doch abrupt endete. Aber fürs in drei Wochen stattfindende 24-Stunden-Rennen scheinen wir gut gerüstet zu sein. Gemeinsam mit Manuel Amweg, Thomas Lampert und Benjiamin Albertalli werden wir es im gewohnten Toyota GT 86 bestreiten, mit dem ich auch dieses Rennwochenende unterwegs war. Bis bald, Nordschleife!

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