Schreck vor dem Start

Noch bevor die Rekordjagd mit dem Mazda 6 in Papenburg begann, startete das eigentliche Rennen: Flug verpasst, Lizenz nicht ausreichend. Was nun?

Das fängt ja gut an. Erst fliegt die Maschine vom Flughafen Zürich verspätet ab, und als wir in München das Gate für den Weiterflug nach Bremen erreichen, ist der Flieger bereits weg. Mit wir ist der andere Schweizer im Team der Weltrekordjäger im Mazda 6 gemeint: Gabriele Gardel, langjähriger Rennfahrer in Formel- und GT-Fahrzeugen, noch heute aktiv im Emil Frey Racing Team in der Blancpain Series, und seit 2014 Mazda-Händler in Lugano.

Wir nehmen also den nächsten Flug nach Bremen und erreichen nach der abenteuerlichen Fahrt unseres Chauffeurs wohlbehalten das Restaurant in Papenburg, wo das Abendessen bereits begonnen hat und das Fahrer-Briefing noch aussteht. Noch vor dem Essen rasch die Lizenz zeigen. Gabriele hat eine internationale C-Lizenz, ich eine nationale Lizenz mit Ausland-Startberechtigung.

Nach dem Briefing  am Freitagabend um 22:30 Uhr der Schock: “Du bist nicht startberechtigt, denn eine nationale Lizenz reicht im Gegensatz zur VLN bei dieser internationalen FIA-Veranstaltung nicht.” Was also tun? ” Deine nationale Motorsportbehörde muss Dir noch eine internationale C-Lizenz ausstellen, sonst fährst Du beim Weltrekordversuch nicht mit”, bedeutet mir ein FIA-Kontaktmann von Mazda Deutschland.

mazda_rekord_2014_28Ich kontaktiere zu spätabendlicher Stunde den Kollegen und Motorsportjournalisten Peter Wyss von der Automobilrevue, und der übermittelt mir eine Kontaktnummer des zuständigen Manns bei Auto-Sport Schweiz, Patrick Falk. Ich riskiere es und rufe ihn an – es ist mittlerweile 22:45 Uhr. Er ist nicht nur gesprächsbereit, sondern setzt sich nach Rücksprache mit dem Schweizer Motorsport-Präsidenten Andreas Michel ins Auto, um nochmals ins Büro zurückzukehren. Der pure Gegenentwurf zu allem, was man über Bürokratie gelernt hat. Um 00:07 Uhr habe ich die ersehnte internationale C-Lizenz.

Vor so viel Einsatz verneige ich mich, und mit mir ziehen alle Verantwortlichen bei Mazda Deutschland den Hut. Mitorganisator Michael Podlogar ist beeindruckt: “Beim DMSB wäre sowas schlicht nicht mehr möglich gewesen, da ist am Freitagabend nach 17 Uhr Schicht im Schacht.” Also ein grosses Bravo, liebe Schweizer.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)Jetzt kann es also bald losgehen. Heute, am Samstagmorgen war die technische Einweisung ins Testgelände von Papenburg, das eigentlich Mercedes-Werksgelände ist, wenngleich tief im Norden Deutschlands. Sitzprobe erledigt, Funk geht, Sitz passt, Rennklamotten von der FIA genehmigt.

Die erste Fahrt im Serienfahrzeug, einer Mazda 6 Stufenhecklimousine mit Skyactiv-Dieselmotor, ist absolviert. Die Steilkurven sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber dies vor allem aufgrund der Tatsache, dass nur minime Lenkkorrekturen erforderlich sind.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)

Erste kurze Rekordfahrten hat es bereits gegeben, die werden im Auto #2, in dem wir als Team 3 starten, von unserem Teamleader gefahren, dem Niederländer Tom Bangma. Die Ergebnisse sind noch nicht bekannt, “aber es sieht ganz gut aus”, verrät uns einer der Verantwortlichen.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)

Doch der Start zum eigentlichen 24-Stunden-Weltrekordversuch ist nun etwas verzögert. Um 15:30 Uhr soll es losgehen. Mein erster Einsatz ist um 18:30 Uhr, und dafür muss ich bereits um 17:00 Uhr einsatzbereit stehen. Bis dahin ist erstmal Geduld gefragt.

 

Noch keine Kommentare bis jetzt.

Einen Kommentar schreiben

Du musst angemeldet sein um hier zu kommentieren.