Späte Ehre für Schweizer Ferrari

Bei der Versteigerung von RM Auctions in Phoenix erzielte ein Ferrari 250 LM von 1964 die Rekordsumme von umgerechnet 8,2 Millionen Franken. Das Fahrzeug ging in seiner illustren Geschichte durch mehrere Schweizer Hände.

ferrari-250-lm-chassis-nr-5899_02Der führende Auktionator von automobilen Preziosen, RM Auctions hat vergangene Woche bei der Veranstaltung in Phoenix mehr als 100 edle Oldtimer versteigert. Dabei fanden 90 Prozent der Fahrzeuge neue Eigner, der Gesamtumsatz betrug rund 54 Millionen Franken. Allein 17 Wagen erzielten Dollar-Preise jenseits der Millionengrenze.

Den mit Abstand höchsten Auktionspreis erzielte mit rund 8,2 Millionen Franken ein Ferrari 250 Le Mans von 1964, der eine lückenlose Geschichte mit einigen Schweizer Besitzern aufweist. Fahrzeuge der 250er Serie von Ferrari gehören zu den gesuchtesten Investitionsobjekten der Oldtimerszene, viele von ihnen verfügen über eine lange Liste illustrer Besitzer und herausragender Resultate im internationalen Motorsport.

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ferrari-250-lm-chassis-nr-5899_03Erfolgreich mit der Ecurie Basilisk

Das Exemplar, das in Phoenix zum Rekordpreis unter den Hammer kam, trägt die Chassis-Nummer 5899 GT und war das neunte Fahrzeug der insgesamt 32 Stück umfassenden Baureihe. Es wurde im Sommer 1964 an das Schweizer Rennteam Scuderia Filipinetti verkauft und gewann erste Rennen. 1965 verkaufte Filipinetti den 250 LM direkt vom Stand auf dem Genfer Autosalon weg an den Zürcher Architekten Werner Biedermann, der den Ferrari mit Zürcher Nummernschildern unter dem Banner der Ecurie Basilisk einsetzte. Das Fahrzeug blieb unter Schweizer Flagge ähnlich erfolgreich und erzielte bei 15 verschiedenen Rennveranstaltungen nur Top-Ten-Platzierungen.

Doch am 16. Oktober 1965 riss die Erfolgssträhne. Biedermann überschlug sich im 250 LM beim SAR-Bergrennen in Engelberg, blieb jedoch unverletzt. In der Folge verkaufte der Zürcher das Unfallauto an den dritten Eigner, Hans Illert aus Feldmeilen. Bei der Reparatur nahm dieser einige technische Modifikationen vor, um die Leistung des Ferrari zu steigern. Teils aus Budgetgründen ersetzte er die Scaglietti-Karosserie durch die eines Porsche 906 Carrera 6, wozu jedoch eine Verkürzung des Chassis und des Radstands erforderlich war. Die Porsche-Hülle wurde dem Ferrari-Original angeglichen, doch verfügte der Wagen nun über die 906-typischen Flügeltüren.

Im Ergebnis war das Auto 200 Kilogramm leichter. Illert holte damit 1966 einen Sieg beim Bergrennen St. Ursanne-Les Rangiers und gewann 1967 beim Slalom Wangen auf dem Dübendorfer Flugplatz. In beiden Jahren erzielten Hans Illert, Dieter Spörry und Heini Walter im Chassis Nr. 5899 eine Reihe von Podestplätzen.

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Von Zürich nach Zug

Anfang 1968 verkaufte Illert den Wagen an Pierre Sudan aus Zug. Dieser ersetzte den Originalmotor mit 3,3 Litern Hubraum durch einen stärkeren Vierliter-Motor, der von einem Ferrari 330 P stammte. Das Fahrzeug lief fortan als 330 LM-P bei Bergrennen in Österreich und Belgien und wechselte 1969 in österreichische Hände. Doch wurde die Porsche-Karosserie 1970 bei einem Rennunfall zerstört und das Chassis an eine Reihe von Liebhabern weiterverkauft. Einer von ihnen, der Niederländer Paul Schouwenburg, tauschte den Motor wieder durch das Originaltriebwerk aus und verkaufte das Paket an den Musiker Eric Stewart der britischen Popgruppe 10CC.

ferrari-250-lm-chassis-nr-5899_08Stewart gab 1977 einer britischen Firma den Auftrag, den 250 LM mit Originalkarosserie zu restaurieren. Dazu musste das Chassis zunächst bei Ferrari in Modena auf seine ursprüngliche Länge zurückgebaut werden. Erst 1981 war das Auto fertig, und Stewart absolvierte in Goodwood eine erste Testfahrt. In der folgenden Dekade wurde der Wagen nach Deutschland, Kalifornien, Japan und wieder Grossbritannien verkauft, wo er 1995 komplett revidiert und ab 2000 von seinen mittlerweile italienischen Eignern bei historischen Rennen rund um die Welt eingesetzt wurde.

2006 kaufte der Genfer Sammler und Rennfahrer Henri-Louis Maunoir den Ferrari 250 LM. Der Kreis schloss sich, denn Maunoir ist mit Georges Filipinettis Enkelin verheiratet, was ihn jedoch nicht daran hinderte, den wertvollen Rennwagen in die USA zu verkaufen, von wo aus er nun bei RM Auctions zum Rekordpreis versteigert wurde.

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Hier geht es zum Original-NZZ-Artikel.

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