Startampel und Zielflagge gesehen

Nach der Absage des letzten Rennens wegen Nebels soll es nun also der dritte Renneinsatz sein – mit vielen Neuerungen für mich: Neues Auto, neuer Teamkollege, neuer Einsatzplan. Ergebnis: Sehr zufriedenstellend.

vln2014-09_HS04Freitagnachmittag, freies Training. Diesmal sitze ich im Wagen mit der Startnummer 524 und darf als erster Fahrer ran, denn mein Stallgefährte ist diesmal André Da Silva, der bisher als Wagenchef amtierte, aber nach einigen RCN-Läufen jetzt ebenfalls in der VLN starten wird.

Ich nehme mir vor, die vier geplanten Runden zu nützen, um all das umzusetzen, was ich beim letzten Mal im Videostudium gelernt habe, aber nicht ausprobieren konnte, weil das letzte Rennen im dichten Nebel abgesagt wurde. Und es klappt: Ich fahre in einigen Passagen einen höheren Gang, schalte in der Fuchsröhre in den sechsten und nehme sie mit Vollgas. Es gelingt mir nun, im Galgenkopf mit viel mehr Schwung auf die Döttinger Höhe hinaus zu fahren, was viel bringt. Insgesamt verbessere ich mich um zehn Sekunden und bin erstmal zufrieden. Interessant, dass dabei an manchen Stellen das Auto jetzt lebendiger ist als bisher. Liegt wohl eher am höheren Speed denn am Wechsel des Autos. Und doch scheint der Motor ein winziges Spürchen besser zu laufen.

vln2014-09_HS02Am Samstag dann – oh nein nicht schon wieder: Nebel. Wieder müssen wir warten, bis das Qualifying beginnt – eine ganze Stunde lang. Als der erfahrenere Pilot in unserem Zweierteam bin ich wieder als Erster dran und habe zwei Quali-Runden unter Doppelgelb, wo schön Tempo 60 km/h verlangt ist. So schaffe ich keine brauchbare Rundenzeit, bin aber qualifiziert. Teamkollege André hat eine freie Runde und ist bereits genauso schnell wie ich am Vortag – eine tolle Steigerung. Inzwischen scheint die Sonne, und ich darf nochmal für zwei Runden raus. Diesmal gibt es ein Problem mit einem nicht funktionierenden Transponder, was dazu führt, dass meine zuletzt ganz verkehrsfreie Runde leider nicht gezeitet wird. Schade, das wäre eine persönliche Bestzeit geworden. Stattdessen habe ich eine Stop-and-Go-Strafe kassiert, denn in einem Doppelgelb-Abschnitt habe ich vor der grünen Flagge zu früh Gas gegeben. Böser Bube ich. Dank Andrés schneller Zeit sind wir auf Startplatz 7 gewertet.

Beim Rennen darf ich gleich eine Reihe neuer Erfahrungen machen: Erstmals fahre ich den Start, weil Ring-Racing-Chef Uwe Kleen meint, ich könne mit den Unfällen und Gelbphasen, die in der ersten Runde zu erwarten sind, dank mehr Rennerfahrung besser umgehen. Ich bin überrascht, wie flott bereits einige die Einführungsrunde fahren. Einige fangen schon 24 Kilometer vor dem Start mit dem Reifenwärmen an. Vermutlich eine Form von Lampenfieber. Den Start erwische ich ganz gut und liefere mir gleich einen Kampf mit einem BMW M235i, der nur auf den Geraden schnell ist. In Runde 1 treffe ich auf mindestens drei zerstörte GT3-Autos und jede Menge Doppelgelb und Ölbindemittel auf der Strecke, doch dann komme ich allmählich in den Rennrhythmus.

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Noch bin ich nicht zum Absitzen meiner Strafe aufgerufen worden, und bereits sind fünf Rennrunden absolviert. In Runde 6 passiert es: Nach dem kleinen Pflanzgarten-Sprung – ich werde von einem deutlich schnelleren Porsche durch die engen Ecken gejagt, verliere ich bei etwa Tempo 140 das Heck. Ob mich der Verfolger berührt hat oder ob es Öl auf der Strecke war, daran kann ich gerade nicht denken, denn ich kämpfe im Kurveninnern mit einem dreifachen Dreher. Dabei ramme ich kurz im Vorbeifliegen frontal die Leitplanke und stehe still. Motor läuft, weiter geht’s. Kurzer Check, alles scheint genauso zu funktionieren wie vorher.

vln2014-09_HS03In Runde 7 komme ich an die Box, um meine Strafe abzusitzen. Doch in der Strafzone ist keiner, ausser Co-Teamchef Meino Kleen. Wir fluchen gemeinsam, bis endlich einer kommt und die “Go”-Kelle schwingt. Was für eine Farce. Dann noch eine Runde und an die Box zum Fahrerwechsel und der kleinen Reparatur. Der Kühler ist noch ganz, die Front hat Schleifspuren, lediglich das Kühlergitter und ein Teil des Unterbodens muss entfernt werden. Schwein gehabt.

Derweil macht sich André daran, den momentanen sechsten Platz in der Klasse zu festigen und mit immer schnelleren Rundenzeiten den Abstand zu den Vorderleuten zu verkürzen. Inzwischen sind die anderen beiden Toyota GT 86 im Team leider ausgefallen, wir sind die letzten Mohikaner. Nach neun zuverlässigen und schnellen Runden übergibt mir André den Wagen für den Schluss-Stint bis zur Zieldurchfahrt – noch eine neue Erfahrung.

In Runde 19 sehe ich die 517 hinter mir auftauchen. Das ist der unmittelbar vor uns klassierte Konkurrent, der offenbar einen Tankstopp mehr brauchte und jetzt wieder an mir vorbeigehen will. Ich halte ihn auf Distanz, doch leider habe ich eingangs Karussel Pech: Ein weiterer Porsche muss mich unbedingt direkt vor der Steilkurve ausbremsen, ich muss nach aussen ausweichen. Und genau da liegt ein Reifen – ich muss abbremsen und stehe in dieser Bergaufpassage fast still. Das kostet viel Zeit, und die 517 nutzt die Gelegenheit, an mir vorbeizuziehen.

So nicht, sage ich mir, und bereits in der 20. Runde schnappe ich mir den anderen Toyota GT 86 mit der Nummer 517 in der Mercedes-Arena. Er wird im Rückspiegel immer kleiner – welche Befriedigung. Nach 22 Runden sehe ich die Zielflagge und freue mich. Eine weitere Zielankunft, ein weiterer vierter Platz (denn noch ein Konkurrent ist ausgeschieden). Als einziger übriggebliebener GT 86 die Ehre des Toyota Swiss Racing Teams gerettet. Aber diesmal war es knapp.

In zwei Wochen geht es zum letzten Mal in diesem Jahr zur VLN. Da wird gefeiert, und zwar nicht nur der Saisonabschluss, sondern insbesondere der Gewinn der Klassenmeisterschaft für Ring Racing in der SP8 mit ihrem Lexus IS-F CCS-R und dem Pilotenteam Uwe Kleen/Klaus Völker/Jordan Tresson. Ich freu mich drauf.

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