Ungewolltes Wildern

Langsam setzt die Routine ein, die Fahr- und Routenfehler nehmen ab. Inzwischen kennt man sich auch unter den Kolleginnen und Kollegen am Bahnhof. Nur wenn mal ein anderes Nova-Taxi vorfährt, um Gäste auszuladen, gibt es ein spöttisches Grinsen vom Chauffeur. Auch daran habe ich mich gewöhnt: Als „Bahnhof-Täxeler“ ist man in einer anderen – nicht unbedingt höheren – Liga, egal ob der Wagen gelb und rot ist oder nicht.

Es ist 11 Uhr und der Regen setzt ein. Jetzt geht alles ganz schnell, das Verhalten der Fussgänger und anderen Verkehrsteilnehmer verändert sich von einem Moment auf den anderen – es herrscht die Hast.

Gleich vier potenzielle Kunden stürzen sich aus dem Bahnhofsgebäude auf die wartenden Taxis. Bei mir steigt einer ein, obwohl ich erst an sechster Stelle in der Schlange stehe. Gibt mir das Fahrziel an: Elfenau.

Rumms – geht meine Fahrertür auf. Der liebe Kollege vor mir übermittelt mir unmissverständlich seine Meinung zu meinem ungewollten Vordrängeln. Ich bitte den Fahrgast, auf den Wagen vor mir umzusteigen. Aber der will nicht, seine Föhnfrisur könnte im schüttenden Regen wohl Schaden nehmen. Ich zucke mit den Schultern, knalle die Tür zu und fahre ab. Kollege schwingt das Fäustchen. Prima, einen Freund fürs Leben gewonnen.

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