Weltrekorde eingefahren

Ziel erreicht. Nach 24 Stunden haben alle drei Mazda 6 auf dem Ovalrundkurs in Papenburg alle anvisierten Weltrekorde gebrochen. Unser Auto Nummer 3 machte den internen Kampf ums allerschnellste Rekordauto am Schluss nochmal so richtig spannend.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)Die Sonne ist aufgegangen, und die drei Mazda 6 drehen auf dem Hochgeschwindigkeits-Oval in Papenburg noch immer ihre Runden wie Schweizer Uhrwerke. Mittlerweile sind die nächsten Rekorde gefallen, für die 1000 Meilen, die Sechs- und die Zwölfstundenmarke.

Mit dem Sonnenschein und der etwas geringeren Luftfeuchtigkeit ist unser Wagen 3 plötzlich wieder klar der schnellste der drei Rekordautos. Und so machen wir uns im Team nun Gedanken über die weitere Taktik und die beste Fahrlinie auf der fünfspurigen Autobahn, die über 12,3 Kilometer führt und ein endloses Geradeausfahren bei Höchstgeschwindigkeit zulässt.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)Besonders hilfreich sind die Inputs aller sieben Piloten unseres Teams #3. Unser Teamleader Tom Bangma hat festgestellt, dass es Sinn macht, sich beim Eingang in die Steilkurve aus der äussersten Spur 1 kurz in die Spur 2 hineinfallen zu lassen, um nach dem ersten Kurvenfünftel sich wieder ganz nach oben an den äusseren Rand hinausdrücken zu lassen. “Und nahe an der Leitplanke zu fahren – so wie man es in der NASCAR macht, bringt auch nichts, es ist sogar schlechter”, erklärt er. Dirk Liphardt hat herausgefunden, dass am Steilkurvenausgang ein früheres Einlenken in die mittlere Spur mehr Schwung für die lange Gegengerade bringt. Felix Merkle fährt beide Geraden in der mittleren Spur und lenkt vor beiden Steilkurven erst spät an den äusseren Fahrbahnrand.

Mittlerweile schmieden wir Pläne, um den letzten Boxenstopp besonders kurz und schnell zu gestalten. Wir entscheiden uns dafür, dass ich einen Doppelstint fahre und nur zu einem “Splash and Dash”-Kurztankstopp anhalte. So beginne ich um 13:40 Uhr, nachdem Dirk wieder das Tempo vorgegeben und konstant die schnellsten Rundenzeiten im Feld absolviert hat, mit der allerletzten Aufholjagd. Denn wir sind nun nur noch 0,25 Stundenkilometer im Schnitt langsamer als Wagen #1.

Per Handzeichen bekomme ich alle drei Runden ein Signal, ob ich schnell genug bin – und jedesmal zeigt man mir Bestzeit an. Die im Team ausgetüftelte Ideallinie macht sich bemerkbar: Ich fahre die Geraden in der zweiten Spur, die Steilkurve leicht schräg nach aussen an, um dann im ersten und letzten Kurven-Fünftel kurz über Spur 2 abzukürzen. Die per GPS angezeigten Geschwindigkeiten waren noch nie höher: 232 km/h auf der Gegengeraden und beim Ausgang der Nordkurve, 226 km/h auf der ersten Geraden, 228 km/h am Ausgang der Südkurve. Und das trotz immer stärker werdenden Windes. Einmal erwische ich eine heftige Windböe, die vor einer der Brücken über die Fahrbahn quer über die Strecke bläst. Das Auto versetzt leicht, und weiter geht’s.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)

Bereits tauchen vor mir beide anderen Mazda 6 auf, und ich freue mich schon aufs Vorbeiziehen. Doch leider darf ich nicht, sondern werde über Funk vorzeitig zum Boxenstopp hereingeholt. Dort wird auch aus dem “Splash and Dash” nichts – stattdessen lassen sie mich schmoren und tanken komplett auf. Ein Schelm, wer dahinter eine besondere Absicht vermutet. Schliesslich geht es darum, alle drei Mazda 6 sicher ins Ziel zu bringen.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)Rund dreissig Minuten vor dem Erreichen der 24-Stunden-Marke wird es nochmals spannend, denn im Bereich der Nordkurve setzt Regen ein. Wir haben zwar damit gerechnet, doch ist die Heftigkeit des Schauers überraschend. Jetzt stellt sich die Frage: Scheibenwischer einschalten und ein Verschmieren des Fliegendrecks und damit schlechtere Sicht in Kauf nehmen oder mit den Tropfen leben, die allerdings recht gut auf der Frontscheibe abperlen? Ich verzichte auf den Wischer und orientiere mich an den Fahrbahnlinien, die ich noch immer gut erkennen kann.

Zweites Problem: Aufgrund des starken Windes hat sich einiges Herbstlaub in den Steilkurven angesammelt. Doch es scheint die Traktion selbst bei nasser Fahrbahn nicht zu beeinflussen. Es kann ungerührt mit Vollgas weiter gehen – dem Ziel entgegen.

Und so sehen wir alle nach 24 Stunden die Zielflagge und dürfen uns freuen. Wir alle, 23 Pilotinnen und Piloten sind erfolgreiche Rekordjäger und Weltrekordhalter. Die Autos sind fehlerfrei gelaufen. “Man stelle sich einmal vor”, erklärt Michael Podlogar, der schon vor zehn Jahren beim bisherigen von Honda gehaltenen Rekord im Team war, “die Autos sind rund 4000 Kilometer eingefahren worden und nun 5400 Kilometer unter Dauerlast gelaufen, ohne die kleinste Panne”.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)

Unseer Rückstand auf Wagen eins betrug im Ziel nur noch die Winzigkeit von 0461 km/h. Doch selbst wenn wir den internen Wettstreit der drei Teams am Ende nicht ganz haben gewinnen können, so bleibt uns die Genugtuung und Befriedigung, dass sieben der insgesamt 20 aufgestellten Weltrekorde aufs Konto unseres Wagens Nummer 3 gehen. Und es bleibt eine tolle Erinnerung an eine Erfahrung, die wir so schnell nicht wieder machen werden. Unbezahlbar.

MAZDA - World Record at ATP Papenburg (2014)

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