Wienachtsmaa us Ankara

Weihnachten ist so ganz anders als in früheren Jahren. Eltern sind im Ausland, die „Ersatz“-Familie feiert mit der Verwandtschaft, nachdem sie mich an Heiligabend netterweise hat mitfeiern lassen. Die Leere fülle ich mit einer Taxischicht. Es ist eiskalt und noch ein bisschen verschneit. Traktion im heckgetriebenen Fiat liefern zwei abgesägte Eisenbahnschienenstücke im Kofferraum, das funktioniert ganz gut.

Ich bin unterwegs vom Inselspital zurück Richtung Innenstadt, in der Hoffnung, dass ich die langen Wartezeiten durch eine günstigere Position im Zentrum verkürzen kann. „Wischen“ ist zwar nicht erlaubt, also das Herumkreuzen und Aufgabeln von Zulaufkundschaft. Aber tatsächlich läuft mir ein Kunde zu. Es ist der Weihnachtsmann persönlich, komplett mit rotem Mäntelchen, Kapuze und Sack. Wir können uns beide das Lachen nicht verkneifen, und natürlich mache ich einen Spruch zu seinem angestammten Gefährt: „Ist Rudolf krank heute?“ Er versteht nicht so ganz, was ich meine und brummelt durch seinen weissen Kunstbart: „bin vo Ankara, musse halte Taxi nehme, vill Termine bi Kinde“. Na prima. Trinkgeld gibt es auf der Fahrt von der Freiburgstrasse zur Kochergasse keines. Immerhin will der türkische Father Xmas nicht gratis fahren.

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