Zwerg hoch zwei

Klein, unterschätzt und trotzdem oft als erster da – so beschrieb Smart-Chefin Anette Winkler die Rolle des Mini-Daimlers, der jetzt nach seiner Premiere 1997 und einem Facelift seine Neuauflage erlebt. Zum neuen Zweisitzer Smart Fortwo gesellt sich nach langer Abstinenz nun auch wieder ein Viersitzer: der Smart Fortfour.

Smart-fortwo_2015_17Der Ur-Smart stiess vor 17 Jahren eher auf Schmunzeln. Er griff seiner Zeit weit voraus. Aber schon damals war der so gar nicht zu Mercedes-Benz passende Kleine stets verbunden mit dem Hinweis auf kommende Verkehrsprobleme in den Städten. Mit viel Unterstützung vom Marketing geriet der Smart im Laufe der Jahre zu einem Zukunftsbotschafter, der Grossstädter zu begeistern vermochte. Zumindest in europäischen Metropolen – in den USA gelang der Coup nicht.

Den Durchbruch soll die Steigerung des Spassfaktors bringen. Die gibt es beim unverändert 2,70 Meter kurzen Smart Fortwo in Form von Wendigkeit im Stil des Toyota iQ, der soeben ausgelaufen ist. Mit nur 6,95 Metern Wendekreis dürfte das Smart-Team einen Weltrekord erzielt haben. Vermutlich gilt das auch für den 3,49 Meter langen Viersitzer Forfour, der beim Vollkreis einen Durchmesser von 8,65 Metern auf den Asphalt zeichnet. Zugelegt haben beide Varianten in der Breite: um zehn Zentimeter auf nun 1,65 Meter. Damit entspricht der neue Smart fast zur Gänze dem Renault Twingo, auf dessen Basis der Winzling aufbaut.

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Aussen wie im Innenraum kann sich jeder Käufer bei der Gestaltung austoben. Insgesamt kann er 800 Varianten auswählen, meist im kräftigen 2-Farben-Look. Das dreispeichige Lederlenkrad, mehr noch die Kugeln mit den Anzeigen im Blickfeld des Fahrers, die Lüftungsausströmer und die textilen Bezüge von Armaturentafel und Tür-Innenseite geben nur den Rahmen vor, den Stoff, die Farben kann jeder selbst dazugeben.

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Smart-fortwo_2015_43Natürlich muss bei einem urbanen Alleskönner auch das Infotainment Spass bringen. Deswegen sieht Winkler den Ur-Smart nicht nur als Vorläufer der heute üblichen Konnektivität, sondern als Beispiel: „Mit dem Smartphone wird er jetzt endgültig zum Mobilitätskonzept für die City.“ Das Bedienen über den grossen Touchscreen in der Mitte der Armaturentafel scheint tatsächlich intuitiv möglich zu sein. So hat man die Smart-Apps und die vom eigenen Telefon stets im Blick und in Reichweite.

Bei den Assistenzsystemen kann der Smart immerhin den Seitenwindassistenten (Serie) sowie den aufpreispflichtigen Abstandwarner und den Spurhalteassistenten vorweisen.

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Für den Zwei- und für den Viersitzer werden zum Marktstart zwei Dreizylinder aus dem Renault-Regal angeboten: ein Saugmotor mit 71 PS und ein Turbo-Triebwerk mit 90 PS. Die neuen Motoren bieten zusammen mit der Stopp-Start-Automatik geringere Verbrauchswerte. Den Normverbrauch des Saugers mit im Schnitt 4,1 Liter auf 100 km wird der Basismotor vermutlich noch unterbieten. Der kommt mit 60 PS aber erst einige Monate nach dem Modellstart.

Bei den Getrieben, auch die aus Renault-Entwicklung und -Produktion soll es eine Handschaltung und ein Doppelkupplungsgetriebe geben. Für die anderen Verkehrsteilnehmer bedeutet das, dass sie nun auf das freundliche Nicken der Smart-Insassen beim Gangwechsel verzichten müssen.

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Zum Fun gehört natürlich auch die Optik. Da wird es dem Neuen so gehen wie dem Alten: Die Meinungen werden wieder weit auseinander gehen. Aber zwei Dinge kann man objektivieren: Mit den zehn Extra-Zentimetern Breite steht er deutlich satter auf der Straße. Und dass der Smart Forfour eigentlich aussieht wie ein Renault Twingo, das müssen die Verantwortlichen um Frau Winkler halt aushalten, denn ein Verleugnen der Herkunft ist selbst von höchster Stuttgarter Instanz aus schlicht zwecklos.

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